Als Filmzuschauer tut man sich schwer, will man das was da vor einem auf der Leinwand flimmert – oder wahlweise auch auf dem heimischen Fernsehschirm – in seiner Ganzheit betrachten. Das ist im Museum – wenn man beispielsweise vor irgendeiner dieser neumodischen Metallplastiken steht, welche die Zerrissenheit des posthumanen Menschen zwischen seinen technologischen Göttern einerseits und dem Ruf der ursprünglichen Instinkte andererseits darstellen soll, zumindest den Autor dieser Zeilen sich aber fragen lässt, wo in Gottes Namen den dieses Relikt aus den Szenenbauten des zweiten Mad Max-Teils ausgegraben wurde, und wer auf die Idee kommen kann, das dies mehr darstelle als Restverwertung von Altmetall. Aber der Autor dieser Zeilen würde Kunst noch nicht mal erkennen, wenn sie ihn in den Arsch beißen würde – noch recht einfach, in zwei, drei Minuten ist man in den meisten Fällen in der Lage, das Objekt der Betrachtung relativ ganz zu erfassen. Das ist bei Filmen schwieriger, allein schon wegen der temporären Distanz zwischen Anfang und Ende. Trotz aller avantgardistischen Bemühungen ist die immer noch irgendwo bei mindestens 80 Minuten.
Gewitzte Leute haben da einige Coping-Strategien entwickelt. Der David Bordwell beispielsweise sitzt ja angeblich immer mit einem Klickzähler im Kino, um ganz genau die Schnittfrequenz zu timen. Es gibt auch das gute alte Filmprotokoll, ein beliebtes Instrument, um einem kulturwissenschaftlichen Bachelor-Seminar den Anschein zu geben, dort würde systematisch etwas erarbeitet. Aber trotzdem, das sind alles reduzierte Formen dessen, was eine Filmerfahrung ausmacht.
Deswegen ist das, was Brendan Dawes macht [via], in diesem Zusammenhang so einfach wie innovativ: Ein Mosaikbild, zusammengesetzt aus den in regelmäßigen Abständen aufgenommenen Einzelbildern eines Films, wobei eine Zeile exakt einer Minute entspricht – vor allem, wenn man die dargestellten Filme kennt, werden vorher eher unterbewusst geahnte Strukturen auf einmal offensichtlich. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, dann war das Lesen dieser bestimmt hundert Bücher über Filmstruktur und Schnittrythmus überflüssig.










