Getaggt mit Geschriebenes

Bei marxistisch-leninistischen Dackelzüchtern

An jedem dritten Dienstag eines jeden Monats treffen sie sich. Im Hinterzimmer irgendeiner Absteige, die in Gegenden liegt, die meist als die schlechteren Viertel der Stadt bekannt sind. Anonym und kurzfristig reserviert, Ort und Zeitpunkt nur den Eingeweihten bekannt. Dann sitzen sie da auf den harten Holzstühlen, zwischen geleerten Glasbehältnissen und schalem Zigarettenrauch, der aus den übervollen Aschenbechern quillt wie Rauch aus den Schornsteinen – und den man in Eimern abtransportieren könnte, wenn man diesen Wunsch verspüren würde. Es hat etwas konspiratives, wie sie da in gedämpftem Ton debattieren und jedes Mal verstummen, wenn der Kopf eines anderen Gastes aus Versehen oder der des Wirtes in Erwartung regelmäßiger Nachschubanfragen im Türrahmen erscheint. Letzteres wird immer mit einem knappen Nicken quittiert.

Ein Systemwechsel ist eben undenkbar – so ohne Pils und Hefeweizen.

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Focus!

Es gibt Menschen, die warten jahrelang auf einen solchen Moment. Menschen wie Dich. Fiebernd und träumend, voller Erwartung und wahrscheinlich zu großer Hoffnungen. Da scheint ein ganzes Leben nur auf diesen einen Punkt fokussiert zu sein, der Punkt, an dem sich am Horizont die Linien treffen, der Punkt auf den alles hinauslaufen…ja was? Muss? Soll?

Natürlich wäre es schön, wenn im Gegensatz zu Dir auch mein Leben und sein Fortschreiten eine perspektivische Abbildung wäre. Dann hätte ich wenigstens ein Ziel vor Augen, würdest Du elegant argumentieren, so weit entfernt und unerreichbar es auch sein mag. Was dahinter dann kommt kann dann gar nicht mehr wichtig sein. Wie gesagt, es gibt Menschen, die warten jahrelang auf einen solchen Moment. Menschen wie Dich.

Die leise Vermutung, die da in Deinem Hinterkopf murmelt, schaltest Du auf stumm. Beim Hinhören würdest Du vielleicht Dinge erfahren, die Du eigentlich nicht erfahren willst. Zum Beispiel, dass Dir solche Momente ständig passieren, sie aber nur anderen Menschen wichtig sind. Nicht Dir. Dafür bist Du zu sehr mit Relativieren beschäftigt. Und damit, darüber zu staunen, was anderen Menschen so passiert. Menschen wie Du einer bist.

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Rekrutierungsmaßnahmen

Es geht quälend langsam voran. Alle fünf Minuten beschleicht ihn sogar das Gefühl, die Zeit wäre komplett stehen geblieben. Um ihn nur träge Masse, die zitternd in sich verharrt, der herbeigesehnte Impuls von außen – der Stein des Anstoßes, denkt er so bei sich – noch in weiter Ferne. Er schaut auf die Uhr an seinem Handgelenk, die Oberfläche des Glases so zerkratzt, dass er kaum mehr die wandernden Zeiger darunter ausmachen kann. Aber dennoch, sie bewegen sich. Es ist spät, aber noch nicht zu spät.

“Irgendwann,”, sagt er ein wenig zu laut zu der Person vor ihm, “irgendwann werde ich nicht mehr hier stehen müssen, irgendwann stehe ich auf der anderen Seite.” Er zeigt auf den Schalter weit vor ihnen, eingerahmt von stichigem Milchglas und unverständlichen Beschriftungen, noch weiter entfernt als der Horizont. “Dann ist es endlich vorbei mit dieser täglichen Tortur.” Die Person vor ihm dreht sich zu ihm um, die Augen wie Sand. “Das glaube ich Ihnen.” ertönt es aus ihrem Mund, der sich beinahe unmerklich bewegt. “Die suchen immer motiviertes Personal.” Mit ihren groben Händen scheint sie dabei etwas an einen ungerichteten Gesprächspartner zu signalisieren.

Als er nur noch einige Schritte vom Schalter entfernt ist, ziehen sie ihn raus.

Lautlos und unbemerkt.

Zwei Tage später haben Sie seine Persönlichkeit gelöscht, durch Prozessanweisungen und Phrasenkontingente ersetzt und ihn in ein weißes Button-down-Hemd gesteckt. Er ist jetzt das, was auf dem Namensschildchen an seiner Brust steht: Bob, Customer Support.

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