
In Unkatzegoriert on 21. Juni 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: ABC der Medien, Das Wissen der Religion, Glaube, Gutmenschen, medienwissenschaft, Norbert Bolz, Political Correctness, Religion, Wissenschaft
Im folgenden Absatz wird kurz paraphrasiert, was Professor Norbert Bolz, der oft ohne schlüssigen Grund auch als Medienwissenschaftler bezeichnet wird, in einem schon etwas älteren Interview, in Webzeit gemessen ist April schließlich schon Jahre her, mit dem Focus behauptet. Da Herr Bolz ihn ebenfalls kaum verwendet, sei der Einfachheit halber auf den Konjunktiv verzichtet. Nun aber zu seinen Thesen, hoffentlich verständlich zusammengefasst:
Atheismus ist überbewertet und in keinster Weise als Standortbestimmung bezüglich der eigenen Position ernst zu nehmen. Der Mensch muss glauben, an das Wissen der Religion, welches die gerade stattfindende Wertediskussion als ziemlich dämlich erscheinen lässt. Als ob in der Bibel irgendetwas von Werten stehen würde. Von Paulus kann man in dieser Hinsicht sehr viel mehr über das richtige Leben lernen als von Habermas. Aber was macht die Masse? Betet die Götzenbilder der sozialen Gerechtigkeit, der schützenswerten Umwelt oder den sogenannten Dialog der Kulturen an, der nichts anderes ist als die eigene geistige Kapitulation. Gebannt von der Rhetorik des Antichristen stehen wir unter dem Diktat des Gutmenschentums und der Political Correctness. Nur wenn wir uns Gott unterwerfen – nicht dem islamischen oder einem anderen, dem christlichen, weil wir hier in Europa die Weisheit gepachtet haben – können wir die Befreiung erleben, die im Moment Deutschland fehlt. Ganz im Sinne der Aufklärung muss das den intelligenten Leuten hierzulande endlich klar gemacht werden.
Soweit der Herr Bolz. Alles klar? Sollte man noch weitere Aufklärung benötigen, kann man auch sein neues Buch kaufen. Da scheint es etliches mehr über soziale Gerechtigkeit und Teamfähigkeit, die nach Herrn Bolz eigentlich nur die Masken von Neid und Hass auf Erfolgreiche sind, zu geben. Klingt komisch? Ja klar. Aber warum schreibt der sowas? Das ist eine schwierige Frage, vielleicht sollte man sich dazu diese nett vernichtende Kritik zu seinem 2007 erschienenen ABC der Medien durchlesen. Oder, wenn man zu faul ist, sich mit akademischen Crackpots zu beschäftigen, nur diesen Auszug:
Tatsächlich geht es auch nicht um Nachdenken, mehr um Nachsprechen. Bolz ist ein akademischer Stimmenimitator. Damals, an der Freien Universität Berlin, konnte er am besten die von Walter Benjamin, Carl Schmitt und allen französischen Philosophen. Aber auch frühgnostisch oder spätmarxistisch konnte er reden. Und wenn er heute Thesen wie die auf den Markt trägt, Männer seien natürlicher- wie effizienterweise „Jäger nach dem Profit“, Frauen hingegen besser Hüterinnen des Herds, dann übt er offenbar gerade Karaoke mit Textcollagen aus Eibl-Eibesfeldt und Gary S. Becker.
Damit wäre alles klar. Der Herr Bolz ist wohl beim letzten Abklappern seines Bücherregals auf die Bibel gestossen und hat sie nicht wieder ins Regal gestellt. Da sieht man wieder, wie gefährlich dieses Buch ist. Bleibt nur die Frage, wer dem Herrn Bolz das da reingestellt hat und ob er irgendwann aus dem Labyrinth der Postmoderne wieder rausfindet. Und warum ausgerechnet er es sich als religiös unmusikalischer Mensch – so zumindest seine Selbstbezeichnung – leisten kann, keinen einzigen Ton zu treffen.

In Unkatzegoriert on 29. Mai 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, Religion, Soziologie, Wissenschaft
Es dürfte für Sie nicht allzu schwierig sein, im folgenden Satz den Fehler zu finden. Es erfordert vielleicht etwas mehr von dem, was man allgemein Fähigkeit zur Reflektion nennt, aber zu schwierig, nein, das ist es nicht. Lesen Sie den Satz genau durch:
In December, the project hosted a conference in Boston where evangelicals discussed how their faith informs their work and how to create more room for a religious perspective in various academic disciplines.
Sollten Sie dennoch stirnrunzelnd keine Ahnung haben, gebe ich Ihnen noch einen kleinen Hinweis: Was da geschrieben steht [via] mag vielleicht aus einer analytischen Perspektive sinnvoll sein und den Versuch der Erschließung von unbeachteten sozialen Strukturen darstellen, verkennt aber den eigentlichen Sinn teilnehmender Beobachtung und hat eher was mit Anbiederung und Verwässerung zu tun. Um es mit dem Distanzbegriff aus dem zugehörigen Wikipedia-Artikel zu sagen:
Die Distanz ist nötig, um die Erfahrungen wissenschaftlich zu reflektieren und soll vor dem „going native“ bzw. der schleichenden Übernahme des Selbstverständnisses der Gruppe bewahren.
Das dürfte jetzt aber mehr als genügen, um den Fehler zu finden. Sollten Sie aber immer noch ein großes Fragezeichen vor sich sehen und gar nicht wissen, was denn jetzt daran so falsch ist, dann, ja dann kann Ihnen nur Jesus Christus helfen. Fragen Sie ihn bei nächster Gelegenheit mal, was er dazu meint. Oder wissen Sie schon, was er dazu sagen würde?
Wenn ja, dann ist bereits alles verloren.

In Allgemeines on 18. Februar 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Einsamkeit, Glaube, Ingo, Kultur 2.0, Personifizierung, Religion, Studie, Wissenschaft
Wenn ich alleine bin, ganz alleine auf dieser großen weiten Welt, einsam und verlassen, dann neige ich mehr dazu, mir Götter vorzustellen oder alltägliche Dinge zu personifizieren. So habe ich beispielsweise einmal sehr angenehm Konversation betrieben mit einem Wäschetrockner namens Ingo. Nach etlichen Bierchen kamen wir auf das Thema, auf das jede Unterhaltung im angetrunkenen Zustand hinausläuft: die Sinnfrage des Ganzen. Ingo meinte damals, ich würde dem zu viel Bedeutung beimessen. Nun, das darf ich jetzt auch mit wissenschaftlicher Bestätigung.
Wo da allerdings der feststellbare Unterschied sein soll, zwischen den Göttern und den Alltagsgegenständen, dem vermeintlich Erhabenen und der profanen Materie, dass ist mir noch nicht klar. Aber ich vermute stark, dass diese Differenz gar nicht so groß ist, vielleicht auch überhaupt nicht vorhanden. Und ich glaube, Ingo würde mir beipflichten, er war schon immer recht bodenständig in seinen Annahmen.
Wenn ich ihn nicht vor Jahren schon entsorgt hätte.

In Allgemeines on 11. September 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, Nerdstuff
Das fliegende Spaghettimonster, der im ironischen Kontext gern als Beispiel gebrachte Gottersatz der Atheisten – man verzeihe mir diese sich selbst widerlegende Begriffskonstruktion – dürfte in bewanderten Kreisen durchaus bekannt sein. Auch hier war es schon mal Thema, kein Wunder, denn in seiner strukturellen, religionsanalogen Legitimationsweise bildet es den wohl unterhaltsamsten Teil der Glaubenskritik.
Spott und Spaß beiseite, jeder kann sich eben einen Gott selber bauen. Dies sogar ganz im wörtlichen Sinne, beispielsweise mit Legosteinen. Stück für Stück ein grandioser Schöpfungsakt, der undefinierten Teilen Leben einhaucht, auf der symbolischen Ebene zumindest. Und da gehören Götter hin.
[Via]

In Allgemeines on 1. Mai 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, richard dawkins
Sehr gutes Interview mit Richard Dawkins, dem netten Atheisten von nebenan.
„I am not confident, I am not confident, it is religious people who are confident. I don’t know, I am waiting for science to find out what the truth is, but the religious person, he absolutely knows.„
Sehr interessant ist vor allem die Frage der Moral: Atheisten werde immer eine mehr oder weniger große Morallosigkeit unterstellt. Dawkins hält dagegen und ich kann ihm nur beipflichten. Ungläubige sind die größten Moralisten, die ich kenne. Aber was ist schon Moral? Eine Anhäufung von Konventionen, die es mir ermöglicht, an etwas teilzunehmen, das ich nicht überschauen kann. Und nie werde – mir nur der eigenen Kontingenz sicher sein kann. Da kann erklärendes Beiwerk nur scheitern. Obwohl es manchmal durchaus lustig ist. Ja, lustig, da haben die Herren Travolta und Cruise richtig gehört.

In Allgemeines on 26. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, Na Danke!

Mal wieder auswärts Essen gewesen. Was leckeres bestellt und das hier bekommen: die tägliche Ration der absurden Weltwahrnehmung, serviert von einem unfreundlichen Kellner im Sponline-Restaurant:
„Zu insgesamt 108 Aussagen sollten die Dortmunder Lehramt-Studenten ihre Meinung äußern, zum Beispiel zu: „Es gibt keine Beweise dafür, dass sich der Mensch aus anderen Lebewesen entwickelt hat.“ Viele kreuzten die Antwort „Ich stimme überhaupt nicht zu“ an. Doch es gab auch angehende Lehrer, die sich für das Gegenteil entschieden.„
Schmeckte mir überhaupt nicht. Zu bitter. Wie englisches Essen; wie irgendwas mit dem Wörtchen Stew im Namen. Verbrannt und knorrig ausfasernd. Ungenießbar und manchmal auch lebensbedrohend, dachte ich so bei mir. Wirkt sich immer schlecht auf meine Verdauung aus. Da helfen auch keine kreisdrehenden Ursuppenverweigerer mehr. Aber wenigstens der Nachtisch war lecker:
„Als Konsequenz aus Darwins Theorie sinkt der Mensch, um es pointiert auszudrücken, von der Krone der Schöpfung, dessen Gestalt Gott nachempfunden wurde und für den Erde und Himmel erschaffen wurden, auf ein junges, durch Zufall entstandenes, gewöhnliches, affenverwandtes Lebewesen, das auf einem winzigen Planeten einer unbedeutenden Sonne am Rande der Milchstraße in einer Ecke des Universums lebt.„
Süßes Dessert, warst mir lange verwehrt geblieben. Zu lange, wollte ich schon glauben. Aber heute hast Du meine Zunge mit den köstlichen Früchten eines aufgeklärten Verstandes verwöhnt. Nur zum Nachtisch leider. Und die Preise waren dafür gepfeffert. Schöne Scheiße. Stulle wär billiger gewesen.

In Allgemeines on 23. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, Na Danke!
Warum bestimmte Institutionen bei mir nicht gerade hoch angesehen sind: weil Sie mich anstelle von Tausend anderen Angebotsmöglichkeiten zu einem Nachleben in der Hölle verdammen. Von dem grundsätzlichen Schöpferschmonsens mal abgesehen, der eh in einer Reihe mit dem fliegenden Spaghettimonster steht, aber nicht dessen Unterhaltungswert aufweist. Was Vati kann, kann ich nämlich schon lange: meine eigene Weltsicht basteln. Aber über mich werden leider keine tp-Artikel geschrieben. Kommt vielleicht noch. Vielleicht auch nicht.

In Allgemeines on 17. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Glaube, Satire, Schlechte Recherche

In Allgemeines on 26. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Alltag, Glaube, Klimawandel, Sinn des Lebens
Ab und an sehe ich – meistens irgendwo im Nachtprogramm – irgendwelche Gegner des Klimawandels. Die sich nicht scheuen, jahrelange, objektivierende und wissenschaftliche Forschung mit ihren eigenen Gedankengebäude hinwegzuwischen, und das mehr schlecht als recht, an den Faktoren Nachvollziehbarkeit und genereller Validität gemessen. Da komm ich schnell zum Wörtchen Glaube, und bin Vernunft sei Dank nicht der einzige:
„Sowohl Evolutionsgegner als auch Klimaskeptiker reklamieren alle Wissenschaft und Sachlichkeit für sich, während sie ihren Gegnern einen Dialog auf Augenhöhe verweigern, indem sie ihnen die Wissenschaftlichkeit absprechen.„
Und Gläubige müssen zwangsläufig ab einem bestimmten Grad – wenn das unterschwellige Ahnen in konkretisierende Worte und Bedeutungen gepackt wird – Probleme mit der Wissenschaft kriegen. Ganz einfach, weil sie eine Konkurrenz zu den eigenen Lebensentwürfen und Weltbildern darstellt.
„Ein religiöser Evolutionskritiker hat kein Problem mit einer Biologie, die hilft, bessere Nutztiere und –pflanzen zu züchten. Aber wenn sie Aussagen über die Schöpfung macht, dann ist sie keine Wissenschaft mehr. Ein fortschrittsgläubiger Klimaskeptiker erwartet ebenfalls nur praktischen Nutzen von der Wissenschaft, ewigen Fortschritt – und irgendwann die Besiedelung des Mars. Wenn nun aber die Wissenschaft selbst behauptet, dass der auf ihr fußende Fortschritt nicht unbegrenzt ist, so ist sie für ihn keine Wissenschaft mehr, weil sie seine Weltanschauung zerstört.„
Wie wahr. Genau so wie Glaube im Sinne des praktischen Nutzens für das Zusammenleben ein durchaus gültiges Konstrukt sein kann, aber mit Aussagen über die Schöpfung – von denen er auch nicht loszulösen ist – sich jedwede Rechtfertigung selbst entzieht. Weil der Glaube eben auf Glauben aufbaut, nicht auf Argumenten, Beobachtungen und Revisionen. Da brenn ich lieber im nicht-existierenden Höllenfeuer, bevor ich das anerkenne.