Irgendwann wird jemand auf die Idee kommen, dass es doch ungemein toll wäre, wenn man eine kurze Notiz auf einen Zettel schreiben und diesen an alle seine Freunde weiterreichen könnte. ‘Soziale Kommunikation!’ würde dieser jemand dann rufen und eine neue Form der Kommunikation wäre geboren. Dann würden sich viele, viele Leute nur noch Zettel schreiben, mit Eifer und großer Freude. Ebenfalls würden sie die Zettel von anderen Leuten mit Genuss lesen und ständig darüber reden, wie toll und verbindend das doch sei, was sie da mit den Zetteln machen. Sie würden sogar so weit gehen und sich einen Namen geben. Einen Namen, der zum Ausdruck bringt, dass sie imstande sind, Großes zu tun, und der den Anschein erweckt, diese Zettelchen wären da erst der Anfang.
Und irgendwann wird dann zwangsläufig jemand auf die Idee kommen, dass das doch ganz große Kultur wäre – und eine Lesung veranstalten. Und alle werden sich amüsieren und wieder Zettel mit kurzen Sätzen füllen, die davon handeln, wie sie sich amüsieren und Zettel mit kurzen Sätzen füllen. Das so etwas aber auch so sein kann wie damals in der Unterstufe am humanistischen Gymnasium, als der eine Mathematiklehrer, den niemand mochte und der das Bloßstellen von Minderjährigen im Blut hatte, vor versammelter Klasse die Zettelchen vorlas, die man gerade unter der Bank weiterreichen wollte, das merkt mal wieder keiner.
Im Ernst: Wollt Ihr mit so etwas in Erinnerung behalten werden?
