Getaggt mit Kultur 2.0

Der Macher ist vom Macker nur einen Buchstaben entfernt

Wenn ich eine Zeitschrift machen würde, die – ich zitiere hier im Originalton – eine Wirtschaftszeitschrift für bekennende Alpha-Tiere, die das „Bösesein“ zum Prinzip erhebt, werden soll, dann würden mir alte Freunde hoffentlich aufs Maul hauen. Nicht unbedingterweise, weil ich eine Wirtschaftszeitschrift mache, sondern weil ich auf dem, was an Phrasen aus meinem Maul kommt, hängen geblieben bin. Da hab ich es dann auch verdient, das man mich auf selbiges haut.

So weit ist das natürlich nicht bemerkenswert.

Sollte ich allerdings noch auf die Idee kommen, das Ding “Business Punk” zu nennen, dann müsste ich mir noch eine Frage beantworten. Eine Frage, die bei einem solchen Titel zwangsläufig ist und die darauf abzielt, herauszufinden, ob da eine Ausgabe nur – haste mal, oder? – einen Euro kosten darf und ob es sinnvoll ist, als Gegenwert beim Kauf nicht angepöbelt und nicht angespuckt zu werden. Aber das nur am Rande, Deutschlands Wirtschaftselite ist bestimmt schlau genug, nicht für alten Wein aus neuen Schläuchen zu bezahlen.

Wenn die Hölle zufriert.

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Wirklichkeit mag ein zerbrechliches Konstrukt sein, hier ist sie noch felsenfest

Anschließend an die letzte teilnehmende Beobachtung kann ich heute folgendes anmerken: Die Menschen werden auch mit zunehmenden Alter nicht klüger. Und einen besseren Sinn für Humor scheinen sie auch nicht zu entwickeln, zumindest wenn ich das nach der Alphakrawatte einschätze, die gestern vor mir in der Schlange beim Bäcker stand. Die flüsterte angesichts eines butterbrezenfordernden Vordränglers mit größerer Krawatte den anwesenden Kollegen zu, dass das offenbar ein Vorbote der sich abzeichnenden sozialen Unruhen, von denen gerade überall die Rede sei, sein müsste. Gelächter folgte.

Trotz gelungener Pointe, für mich ist das wirklich Schlimme an dieser Art Humor, gepaart mit dem entsprechenden Habitus, nicht die Ignoranz, nicht der Zynismus, und auch nicht die wissende Bestätigung der eigenen gesicherten Position. Sondern der banale Umstand, dass an diesem Ort und unter diesen Leuten soziale Unruhen sich immer darauf beschränken werden, dass sich ein Stärkerer – oder wahlweise auch der Pöbel, Flexibilität ist in diesem Zusammenhang eine nicht zu verachtende Tugend – sich beim Bäcker in die Schlange mogelt.

Diese potentiellen FDP-Wähler sollten mehr Dahrendorf lesen, denke ich.

Und ich sollte mich von Büroturmsiedlungen fernhalten.

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Die Eliten von morgen sind die Kinder von heute

“Ich meine, der hats so schön gerade. Die machen da ja Kurzarbeit und stell Dir das mal vor, der bekommt achtzig Prozent eines normalen Gehalts, das ist schon einiges, und hat dafür immer so ein, zwei Tage frei.”

— ”Das ist ja wirklich sooo cool!”

“Ja, nicht? Das hab ich ihm auch gesagt, da meinte er nur, so genau wär das nicht. Weil er ja schließlich nicht weiß, ob er den Job nächsten Monat noch hat und ob und wie. Trotzdem, für die Kohle würd ich auch kurzarbeiten, auch wenn ich nicht darauf angewiesen bin.”

— “Stimmt, das geht nur, solang man nicht darauf angewiesen ist.”

Das hier ist eine Universitätsstadt. Und es ist wieder Beginn des Semesters. Dazu kommt der Sommer, der sowieso immer die leichtere Seite des Lebens hervorbringt — ganz zu schweigen von den leichtgewichtigen Wirtschaftswissenschaftlern Ende zwanzig, die der Sommer auf die Straße treibt wie im Herbst der Bauer die Kühe beim Almabtrieb — und das Wald- und Wiesenverständnis von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhängen feiert fröhliche Urstände.

“Mit extra Milchschaum, bitte.”

Das hier ist eine Universitätsstadt. Leider.

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