
In Unkatzegoriert on 6. Februar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Frankreich, Kapitalismus abschaffen, Kultur 2.0, Politik, Revolution
A radical postman with a Trotskyist manifesto and plausible manner will today seek to relight the flame of revolution in France by launching a political party that aims to unite the far left and overthrow the capitalist system.
Angesichts dessen muss ich zugeben, dass es durchaus schlechtere Zielvereinbarungen gibt.

In Unkatzegoriert on 3. Februar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Kultur 2.0, Kunstwerk, Mechanische Reproduzierbarkeit, Walter Benjamin
Alle Modelle der menschlichen Existenz erscheinen früher oder später etwas betagt. Wobei betagt wahrscheinlich das falsche Wort ist, aber momentan mag mir kein anderes einfallen, welches die Vergänglichkeit des eigenen Denkens, das schon nach Sekunden – auch wenn manche gerne glauben, dass ihr Denken Jahrhunderte überdauern könnte – jede Relevanz wieder missen lässt, so treffend beschreibt. Auf jeden Fall scheint mir Schritt halten mit dem Leben, der Welt und dem ganzen Rest ein Ding der Unmöglichkeit.
Es sei denn, Bestand haben wird zur Karikatur seiner selbst [via].

In Unkatzegoriert on 1. Februar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Baudrillard, Davos, Flüchtlinge, Kultur 2.0, Refugee Run, Simulation, Weltwirtschaftsforum
Wenn ich über ein Banner stolpere, auf dem in roten Lettern die Flucht durch ein Minenfeld und das Überleben in einem Flüchtlingslager zum Selbsterleben angeboten wird, dann halte ich das entweder für gelungene Satire oder auch, je nach präsenter Laune, für ein Resultat eines miesen Sinns für Humor. Aber natürlich ist es das alles nicht, sondern ein ernst gemeinter Versuch, den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums das Leben eines Flüchtlings näher zu bringen.
Das nennt sich dann Refugee Run.
Mal leichtfertig angenommen, dass ein einstündiges simuliertes Rollenspiel, bei dem psychische und körperliche Unversehrtheit immer gewährleistet bleibt – ich denke, das Flüchtlingskommissariat der UN würde dem CEO von Nike kaum die Schienbeine zertrümmern – überhaupt so etwas wie Mitgefühl oder einen Wechsel der Perspektive und vielleicht sogar des Verhaltens bewirken könnte. Wäre es dann eine Bestätigung dieser Annahme, wenn Richard Branson, wahrscheinlich zwischen schneller Morgentoilette und dem nächstem Stratosphärenflug, das ganze mit einem Beautifully done! kommentiert? Oder doch eher ein Indiz für das Gegenteil?

In Unkatzegoriert on 20. Januar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Fahren statt marschieren, Kultur 2.0, Melkfett, Persö, Russlandfeldzug, Supermarkt
Während vor mir sieben Tuben Melkfett, gefolgt von weiteren vier Tuben Melkfett für die Hände und drei Flaschen Shampoo mit dem Besten aus Melkfett über den Scanner gezogen werden, muss ich an die spröde Haut denken, die sich über meine Fingerknöchel spannt.
Bei der Erwähnung, dass die Melkfettprodukte so selten im Sortiment seien, bin ich bei erfrorenen Zehen und Russlandfeldzügen angelangt, die, so sagte uns zumindest ein ungenannt bleibender Vertreter der damaligen Generation, mit den jungen Leuten von heute nicht mehr möglich seien. Unser Einwand, dass man statt marschieren doch einfach mit dem Auto hinfahren könne, blieb unbeantwortet.
Auf dem vereisten Parkplatz schlägt es mich dann beinahe der Länge nach hin.

In Unkatzegoriert on 19. Januar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Konservativ, Kultur 2.0, Medial & Mehr, Norbert Bolz, Politik, Robert Misik
Wer schon im ersten Absatz Norbert Bolz lächerlich macht – ich gebe zu, dazu gehört nicht viel, man muss den Bolz eigentlich nur im Wortlaut zitieren und er dekonstruiert sich selbst – und im weiteren Verlauf noch alles und jeden abwatscht, der es mehr als redlich verdient hat, der bekommt nicht nur meine Sympathie, sondern auch eine Leseprobenempfehlung. Und ja, es ist ein Opinion Piece, wie der Engländer so schön sagt, deswegen darfs auch mal krachen.
Und beleidigt fühlen dürfen sich die Angesprochenen auch.

In Unkatzegoriert on 17. Januar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Exklusion, Kultur 2, Kultur 2.0, Rudolf Stichweh, Schwarze Löcher, Soziologie, Welt, Wissenschaft
In [die] Weltgesellschaft ist eine Vielzahl von einzelnen Exklusionsbereichen eingebettet, die untereinander nicht global vernetzt sind. Für diese Exklusionsbereiche drängt sich die physikalische Analogie der ’schwarzen Löcher’ auf. Die Welt wäre dann eine Art Universum, das von ’schwarzen Löchern’ durchzogen ist. In diese fällt gelegentlich etwas hinein. Wenn man sich ihnen annähert, wächst die Gefahr, dass man sich ihrer Anziehungskraft nicht mehr entziehen kann. Es findet nie oder so gut wie nie etwas aus ihnen heraus.
Schreibt Rudolf Stichweh hier. Schön ist auch seine Aussage im dazugehörigen Vorwort, dass Ausnahmen von als inkludierend erscheinenden Prozessen wie etwa Genozid oder Todesstrafe „eigentlich nicht tolerierbar“ seien. Schlau: Er verdeutlicht das nicht am Beispiel Afrikas.

In Unkatzegoriert on 13. Januar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Börse, Bildung, Egoshooter, Kultur 2.0, Merckle, Porsche, VW
Irgendwie frage ich mich bei solchen Sachen [via], warum Egoshooter so schlecht angesehen sind, Online-Börsenplanspiele aber durchaus auch mal unter Bildung laufen können. Wer da meint, Ressentiments gegen zu abstrahiertes Wirtschaften rauszuhören, hat richtig gehört.

In Unkatzegoriert on 6. Januar 2009 von Mark Mit Tag(s) versehen: Baudrillard, Gaza, Israel, Krieg, Kultur, Kultur 2.0, Nahostkonflikt, Politik, Theater
Der Krieg da unten ist kein Krieg, der ist nur Deko, frei nach Rainald Gebe gesagt. Mit ziemlich überzeugenden Kulissen, da haben sich die Ausstatter nichts geschenkt, ebenso wenig die Castingleute, die eine schier unüberschaubare Anzahl kleinerer und größerer Statisten, Haupt- und Nebenrollen gefunden haben. Nicht zu vergessen die Produktion, die einen fast noch nie dagewesenen Material- und Menschenaufwand zur Verfügung hat und diesen effektvoll zu nutzen weiß. Ein größeres Stück wurde selten auf die hiesigen Bühnen gebracht. Und klar, die Kritiker echauffieren sich rechts und links, manche finden die Inszenierung unangemessen, manche die schauspielerischen Leistungen wenig überzeugend. Bis ins kleinste werden die Feinheiten weiter debattiert – natürlich nur insofern die Meinung nicht schon feststeht – das Glas Rotwein in der einen Hand, die andere in nachdenklich-tiefschürfender Geste am Kinn. Hitziger wird es ab und zu auch, aber das gehört in diesen Zeiten einfach dazu. Doch trotz den vernichtenden oder lobpreisenden Feuilletonartikeln: das Publikum scheint fasziniert. Überlegungen, aus dem ganzen noch ein Musical zu machen, inklusive einem eigens dafür errichteten Prunkbau irgendwo in den Brachen des Ruhrpotts, sind schon zu vernehmen.
Komisch nur, dass die da unten nach gefallenem Vorhang und stehenden Ovationen nicht friedlich in der Garderobe zusammensitzen und ein Gläschen zu sich nehmen, bevor es heim zu Frau und Kindern oder wahlweise auch zu der süßen Produktionsassistentin geht.
Immerhin, die nehmen ihren Job ernst.
Wir auch.
Wir sind gut darin, andere Menschen nur als Bilder anderer Menschen zu begreifen.

In Unkatzegoriert on 31. Dezember 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Kultur 2.0, Pragmatismus reloaded, Sklaverei
For four years, I saw dozens of people enslaved, several of whom traffickers like Benavil actually offered to sell to me. I did not pay for a human life anywhere. And, with one exception, I always withheld action to save any one person, in the hope that my research would later help to save many more. At times, that still feels like an excuse for cowardice. But the hard work of real emancipation can’t be the burden of a select few. For thousands of slaves, grassroots groups like PGS and MSEMVS can help bring freedom. But, until governments define slavery in appropriately concise terms, prosecute the crime aggressively in all its forms, and encourage groups that empower slaves to free themselves, millions more will remain in bondage. And our collective promise of abolition will continue to mean nothing at all.
Gute Vorsätze fürs neue Jahr: mehr Sport, weniger Ungesundes, Armut statt Sklaverei.

In Unkatzegoriert on 5. Dezember 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Geschichten, Kultur 2.0, Narratives Management, Storytelling
Narratives Management scheint gerade angesagt zu sein. Ist ja auch nicht schlecht, wenn alle professionellen Kommunikatoren ein Storyteller-Seminar besuchen würden, dann bestünde immerhin die Chance, dass das was sie sagen wenigstens unterhaltsamer wird – und der ewige Vorwurf, sie würden doch Märchen erzählen, wäre endlich haltlos, denn das wäre so, als ob man einen Taxifahrer beschimpfen würde, weil der einen zum gewünschten Ort gebracht hat.
Die Pointen werde ich wahrscheinlich aber immer noch an den falschen Stellen vermuten.