Getaggt mit Luhmann

Buhmann, Labermas, Hassenichgesehen

Wenn ich mal groß bin und felsenfest davon überzeugt, anderen die Welt, wenn schon nicht erklären, dann wenigstens näherbringen zu können – vielleicht schlimmer noch: zu müssen – dann würde ich bestimmt Sätze schreiben, in denen ich Niklas Luhmann als den ‘Theoretiker mit dem über die Jahre indifferenten Sakko’ bezeichnen würde. Dafür müsste ich natürlich erstmal differenzieren, die einen ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen, hier der Habermas, da der Antihumanist, was sich auch auf Antichrist reimt. Man sieht, einer wertenden Kategorisierung ist dabei kaum zu entkommen.

Zum Glück. Denn was sollten wir fragen, wenn es Antworten schon gäbe?

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Expertenwissen buchstabiert sich…

Schon der olle Luhmann sagte, dass die Wirklichkeit gar nicht zu erfassen wäre. Nur medial konstruiert, in die Raster der Öffentlichkeit gepresst und als vermeintliche Realität internalisiert könne man dieser Wirklichkeit, zumindest als Konzept gibt es sie ja, näher kommen.

Selten wird das so offensichtlich wie hier ab 5:25 [via].

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Steht der Krebsforscher dem Tumor nicht kritisch genug gegenüber?

Wenn ein System funktioniert, dann bedeutet das nicht, dass es dem individuellen oder kollektiven Wohlergehen zuträglich ist. Ganz im Gegenteil, es kann diesem sogar sehr, sehr abträglich sein – Beweise dafür, sollte man sie suchen wollen, gibt es mehr als einem lieb sein kann. Einem System aber zum Vorwurf machen [via], dass es funktioniert ist so, als ob ich statt einer haftbaren Person oder Institution das Schneeballsystem selbst zur Anzeige bringen wollte. Dabei ist doch dessen Struktur und Selbstverständlichkeit nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde und wird von uns allen erschaffen. Wer meint, kein Teil davon zu sein, der liegt falsch und wer behauptet, kein Teil davon zu sein, lügt.

Wenn wir uns über den günstigen iPod freuen, weil wir für die Oma ein Welt am Sonntag-Abo abgeschlossen haben oder – ohne Studium geht heute ja nix mehr, eine tolle Entschuldigung – unsere Kinder durch den ersten Bildungsweg prügeln, dann tragen wir alle tagtäglich unser Scherflein dazu bei. Zu diesem Haufen Scheiße, der sich Zivilisation nennt. Die, die da am Pranger stehen haben nur das Pech, etwas mehr scheiße zu sein als der Rest – oder auch: etwas mehr die Mittel und Möglichkeiten gehabt zu haben, scheiße zu sein. Aber gefügt haben und fügen, da waren wir alle mit dabei.

Wenn nicht mehr das Gute geachtet, sondern das Geachtete als gut angesehen wird – weil es funktionstüchtig ist -, dann haben wir es nur noch mit der Moral derer zu tun, die mit gutem Gewissen die Funktionsuntüchtigen ausgrenzen.

Und ein schlechtes Gewissen war das geringste unserer Probleme. Jetzt allerdings Luhmann und der Systemtheorie vorwerfen, sie hätten Beobachtbares legitimiert, da trägt man die Moral an funktionalistisch-beschreibende Zusammenhänge heran, wenn man besser die handelnden Akteure damit treffen sollte, die daraus normative Vorgaben ableiten wollen. Und vielleicht sollte man damit auch auf sich selbst zielen, die Selbstreferentialität in Bezug auf die eigenen Moralvorstellungen, das was richtig und falsch ist, auch umsetzen. Einfach mal die Verhaltensweise, Dinge nach Wert, Mehrwert und Wertschätzung zu beurteilen, denen um die Ohren hauen, die meinen, das wäre nun mal so. Aber das ist – wenn es schon darum geht, Analyse als Erzählung zu betrachten – eine andere Geschichte.

Bis dahin ergehen wir uns in Schuldzuweisungen. Die ja nicht unberechtigt sein müssen.

Oder: Less talk, more rock.

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