Mit ‘medienwissenschaft’ verschlagwortete Einträge

In Unkatzegoriert on 31. August 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Archiv, Kultur 2.0, Medial & Mehr, medienwissenschaft, Nerdstuff, Urs Stäheli, Vampir, Vampirismus
Was das Archiv mit dem Vampirismus und anderen Untoten verbindet, ist die Idee eines unendlichen Lebens. Beide sind von dem Ideal unendlicher Wiederholbarkeit geprägt: Der Vampir, sofern er erfolgreich ist und seine tägliche Blutdosis erhält, wird mit dem ewigen Leben belohnt (oder meist eher bestraft) – genauso wie die archivierten Gegenstände und Bücher die jetzt Lebenden überleben sollen. Es ist die metaphysische Idee einer unendlichen Wiederholbarkeit, einer Idealität ohne Endlichkeit, die in der Populärkultur ein großes Faszinosum entfaltet und zum beliebten Stoff wird. Die Logik des Archivs wird gerade durch die Figur des Vampirs am besten repräsentiert.
Achtung: Neue Bibliotheksausweise [via] nur gegen Vorlage eines Kruzifixes.

In Unkatzegoriert on 12. Juli 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Karte, Kartographie, medienwissenschaft, Ryhiner
Die Kartensammlung Ryhiner zählt zu den wertvollsten und bedeutendstenden der Welt. Sie umfasst zirka 16000 Landkarten, Pläne und Ansichten aus dem 16. bis frühen 19. Jahrhundert, wobei die Bestände den ganzen Erdball abdecken. Zusammen mit den 20000 Manuskriptkarten des Staatsarchivs verfügt Bern damit nicht nur über ein lokales, sondern über ein weltweites geographisches Gedächtnis.
Nicht sehr benutzerfreundlich, dafür kategorisiert [via] und hochauflösend.

In Unkatzegoriert on 7. Juli 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Brendan Dawes, Cinema Redux, film, Filmlichter, Filmwissenschaft, medienwissenschaft, Visualisierung
Als Filmzuschauer tut man sich schwer, will man das was da vor einem auf der Leinwand flimmert – oder wahlweise auch auf dem heimischen Fernsehschirm – in seiner Ganzheit betrachten. Das ist im Museum – wenn man beispielsweise vor irgendeiner dieser neumodischen Metallplastiken steht, welche die Zerrissenheit des posthumanen Menschen zwischen seinen technologischen Göttern einerseits und dem Ruf der ursprünglichen Instinkte andererseits darstellen soll, zumindest den Autor dieser Zeilen sich aber fragen lässt, wo in Gottes Namen den dieses Relikt aus den Szenenbauten des zweiten Mad Max-Teils ausgegraben wurde, und wer auf die Idee kommen kann, das dies mehr darstelle als Restverwertung von Altmetall. Aber der Autor dieser Zeilen würde Kunst noch nicht mal erkennen, wenn sie ihn in den Arsch beißen würde – noch recht einfach, in zwei, drei Minuten ist man in den meisten Fällen in der Lage, das Objekt der Betrachtung relativ ganz zu erfassen. Das ist bei Filmen schwieriger, allein schon wegen der temporären Distanz zwischen Anfang und Ende. Trotz aller avantgardistischen Bemühungen ist die immer noch irgendwo bei mindestens 80 Minuten.
Gewitzte Leute haben da einige Coping-Strategien entwickelt. Der David Bordwell beispielsweise sitzt ja angeblich immer mit einem Klickzähler im Kino, um ganz genau die Schnittfrequenz zu timen. Es gibt auch das gute alte Filmprotokoll, ein beliebtes Instrument, um einem kulturwissenschaftlichen Bachelor-Seminar den Anschein zu geben, dort würde systematisch etwas erarbeitet. Aber trotzdem, das sind alles reduzierte Formen dessen, was eine Filmerfahrung ausmacht.
Deswegen ist das, was Brendan Dawes macht [via], in diesem Zusammenhang so einfach wie innovativ: Ein Mosaikbild, zusammengesetzt aus den in regelmäßigen Abständen aufgenommenen Einzelbildern eines Films, wobei eine Zeile exakt einer Minute entspricht – vor allem, wenn man die dargestellten Filme kennt, werden vorher eher unterbewusst geahnte Strukturen auf einmal offensichtlich. Und wenn man genauer darüber nachdenkt, dann war das Lesen dieser bestimmt hundert Bücher über Filmstruktur und Schnittrythmus überflüssig.

In Unkatzegoriert on 5. Juli 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Baudrillard, Buchladen, Kultur 2.0, Medien, medienwissenschaft, Repräsentation, Simulation
Jedes Medium bildet die Welt ab. Das kann man Repräsentation nennen – einfach gesagt die Verwendung von und Bezugnahme auf symbolische Zeichen und Zusammenhänge, eine Nachahmung der Welt, wenn man so sagen will. Ein Bild eines Gegenstandes mag vielleicht auf die Bedeutung und gewisse Eigenschaften dieses Gegenstandes verweisen, hat aber nichts mit diesem Gegenstand an sich zu tun. Wer sich in seiner Jugend nur mit Abbildungen des anderen oder eigenen Geschlechts begnügen durfte, weil immer nur die Dummen jemand abkriegten, der kann davon wahrscheinlich ein Lied singen. Oder Pfeife rauchen.
Nun gibt es allerdings auch mediale Formen, die etwas mehr die Grenzen reiner Repräsentation überschreiten und zumindest zu so etwas wie einer Simulation wirklicher – im Sinne unvermittelter körperlicher Erfahrungen – Welt in der Lage sind. Ob jetzt dieser Buchladen [via] da nun allerdings dazugehört, das kann ich nicht sagen, vielleicht ist der immer noch zu sehr in den repräsentativen Grenzen des Mediums – in meiner Hand findet sich immer noch eine Computermaus, kein Buch aus dem Regal – verhaftet, um mehr zu sein als Pixel auf meinem Monitor.

In Unkatzegoriert on 21. Juni 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: ABC der Medien, Das Wissen der Religion, Glaube, Gutmenschen, medienwissenschaft, Norbert Bolz, Political Correctness, Religion, Wissenschaft
Im folgenden Absatz wird kurz paraphrasiert, was Professor Norbert Bolz, der oft ohne schlüssigen Grund auch als Medienwissenschaftler bezeichnet wird, in einem schon etwas älteren Interview, in Webzeit gemessen ist April schließlich schon Jahre her, mit dem Focus behauptet. Da Herr Bolz ihn ebenfalls kaum verwendet, sei der Einfachheit halber auf den Konjunktiv verzichtet. Nun aber zu seinen Thesen, hoffentlich verständlich zusammengefasst:
Atheismus ist überbewertet und in keinster Weise als Standortbestimmung bezüglich der eigenen Position ernst zu nehmen. Der Mensch muss glauben, an das Wissen der Religion, welches die gerade stattfindende Wertediskussion als ziemlich dämlich erscheinen lässt. Als ob in der Bibel irgendetwas von Werten stehen würde. Von Paulus kann man in dieser Hinsicht sehr viel mehr über das richtige Leben lernen als von Habermas. Aber was macht die Masse? Betet die Götzenbilder der sozialen Gerechtigkeit, der schützenswerten Umwelt oder den sogenannten Dialog der Kulturen an, der nichts anderes ist als die eigene geistige Kapitulation. Gebannt von der Rhetorik des Antichristen stehen wir unter dem Diktat des Gutmenschentums und der Political Correctness. Nur wenn wir uns Gott unterwerfen – nicht dem islamischen oder einem anderen, dem christlichen, weil wir hier in Europa die Weisheit gepachtet haben – können wir die Befreiung erleben, die im Moment Deutschland fehlt. Ganz im Sinne der Aufklärung muss das den intelligenten Leuten hierzulande endlich klar gemacht werden.
Soweit der Herr Bolz. Alles klar? Sollte man noch weitere Aufklärung benötigen, kann man auch sein neues Buch kaufen. Da scheint es etliches mehr über soziale Gerechtigkeit und Teamfähigkeit, die nach Herrn Bolz eigentlich nur die Masken von Neid und Hass auf Erfolgreiche sind, zu geben. Klingt komisch? Ja klar. Aber warum schreibt der sowas? Das ist eine schwierige Frage, vielleicht sollte man sich dazu diese nett vernichtende Kritik zu seinem 2007 erschienenen ABC der Medien durchlesen. Oder, wenn man zu faul ist, sich mit akademischen Crackpots zu beschäftigen, nur diesen Auszug:
Tatsächlich geht es auch nicht um Nachdenken, mehr um Nachsprechen. Bolz ist ein akademischer Stimmenimitator. Damals, an der Freien Universität Berlin, konnte er am besten die von Walter Benjamin, Carl Schmitt und allen französischen Philosophen. Aber auch frühgnostisch oder spätmarxistisch konnte er reden. Und wenn er heute Thesen wie die auf den Markt trägt, Männer seien natürlicher- wie effizienterweise „Jäger nach dem Profit“, Frauen hingegen besser Hüterinnen des Herds, dann übt er offenbar gerade Karaoke mit Textcollagen aus Eibl-Eibesfeldt und Gary S. Becker.
Damit wäre alles klar. Der Herr Bolz ist wohl beim letzten Abklappern seines Bücherregals auf die Bibel gestossen und hat sie nicht wieder ins Regal gestellt. Da sieht man wieder, wie gefährlich dieses Buch ist. Bleibt nur die Frage, wer dem Herrn Bolz das da reingestellt hat und ob er irgendwann aus dem Labyrinth der Postmoderne wieder rausfindet. Und warum ausgerechnet er es sich als religiös unmusikalischer Mensch – so zumindest seine Selbstbezeichnung – leisten kann, keinen einzigen Ton zu treffen.

In Unkatzegoriert on 11. Juni 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Fernsehen, Medial & Mehr, medienwissenschaft, Sesamstraße
Indeed, one of the things I have always found especially endearing and distinctive about the Muppets is the way they confound or confuse identity categories like child and adult, white and non-white, human and non-human, etc. (For instance, who exactly are Ernie and Bert?)
Frage: Wer hat Oscar in die Mülltonne gesteckt?

In Unkatzegoriert on 10. Mai 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Baudrillard, Bicycletron, Fahrrad, Gaming, Hyperrealität, Kultur 2.0, Ludic Society, Ludics, Ludistik, Medial & Mehr, Medien, medienwissenschaft, pedal hin pedal her, Real Gaming, Realplayer, Simulation, Spiel, Tron, Wirklichkeit, Zeichen
Dreidimensionale Umgebungen, in Echtzeit gerendert und kaum mehr von stockenden Bildwiederholungsraten behindert, werden immer lebensechter. Auch wenn die ans Ästhetische angelegten Kriterien eher ein niedriges Budget vermuten lassen, ist bei Bicycletron [via] die Kopie des vermeintlich Realen schon beinahe perfekt zu nennen. Die Zeichen der Wirklichkeit aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen, um als virtuelle Komponenten wieder aufzuerstehen. Die Immersion scheitert nur am Ende des Mediums.
Oder verwechsle ich hier die Perspektiven? Egal, Baudrillard wusste damals schon um die Ununterscheidbarkeit von Zeichen und Wirklichkeit. In dem Sinne: Es ist Sommer und die Leute knallen alle wieder durch. Ein guter Grund, in der Stube zu sitzen.

In Allgemeines on 27. November 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Ästhetik, Kultur 2.0, medienwissenschaft, Nerdstuff, Propaganda, Retro-Futurismus, Soziologie, Steampunk

Über die inhärente Verbindung von sozialistischer Ästhetik mit den zugrunde liegenden Mythen einer utopischen Zukunft habe ich schon mal geschrieben. Da war die kaum zu übersehende Kluft zwischen propagiertem Ideal und der realen Verzerrung desselben das Thema. Das kann man jetzt auf dieser Ebene belassen und bequem in die Schublade der kulturgeschichtlich erschlossenen Vergangenheit einordnen. Aber es gibt einen weiteren Anknüpfungspunkt, der vielleicht ersichtlich wird, wenn man unter dem groben Aspekt des Retro-Futurismus eine Perspektivenänderung versucht.
Dazu hatte ich ebenfalls schon einen groben Ansatz skizziert, der sich zwar einem anderen Phänomen widmete, aber in seiner strukturellen Herangehensweise durchaus nützlich ist: Wenn die Hinwendung – vielleicht ist auch kollektive Faszination eine passende Bezeichnung – zu imaginierten Zukünften der Vergangenheit ein Bruch mit dem unreflektierten Annehmen vorwärtsgerichteter Thematiken ist, dann gilt das in diesem Zusammenhang insbesondere für den Bereich des Sozialen. Denn nirgendwo anders ist die Differenz größer als bei den vielleicht verklärten, im Rückblick auch naiven Zukunftsvorstellungen des Sozialismus, dessen Idealvorstellung einer zukünftigen Gesellschaft noch nicht mal als nahezu erreicht gesehen werden kann.
So kann es auch kein Wunder sein, wenn sich die Skepsis bezüglich gegenwärtiger Entwicklungen und Prognosen, die alleinigen oder zumindest ausschließenden Anspruch für die Lösung der aktuellen Weltprobleme erheben, in einer Spiegelung der strukturgleichen Ereignisse in der Vergangenheit niederschlägt. Der Hinweis auf die Tatsache, dass es schon damals mit der perfekten Zukunft nicht geklappt sich als kultureller Mythos manifestiert, mit dem ihm eigenen Habitus der ständigen Verweisung darauf, doch bitte aus der Geschichte zu lernen.
Vielleicht ist diese Annahme, dass unter der Oberfläche mehr zu sein scheint, anmassend. Vielleicht haben wir es nur mit einem weiteren Fall postmoderner Beliebigkeit zu tun, wenn Strukturen und Verweise sich auflösen und der Kreis sich schließt, weil er ein Kreis ist. Zirkuläre Argumentation in Selbstreferentialität erstarrt – wie ich, der ich in diesem Post nur wieder auf mich verweise, ha!
Um diesem Dilemma entgegenzuwirken, gibt es hier als ersten Schlusspunkt noch einen Link zu einer umfangreichen Sammlung grandioser retro-futuristischer Titelseiten von populärwissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Zeitraum 1930 bis 1970, von denen ein Großteil aus dem ehemaligen Ostblock stammt – da kommt auch die Illustration da oben her. Endgültig abschließend gibt es eine Erinnerung daran, dass alles was wir tun und was wir kommunizieren einen Grund hat. Der sich vielleicht erst als Summe seiner Teile erkennen lässt, aber immerhin da ist.
Zumindest bei mir, grundlos etwas tun dürfen andere.
[Via]

In Allgemeines on 6. September 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: medienwissenschaft, Soziologie

Using information design principles and graphical techniques, the 85+ recorded covers of Joy Division’s „Love Will Tear Us Apart“ is mapped in relation to the original recordings by the band. Although available information was limited, the graph is data rich in representing time since original recording, recording artist, release name/date and label.
Eine ganz große Version ist zu finden hier, leider nur in ihrer analogen Form. Noch viel mehr komplexe und genau darum faszinierende Netzwerkvisualisierungen gibt es bei visualcomplexity, da ist der Name Programm.
[Via]

In Allgemeines on 28. Mai 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Kultur 2.0, Medial & Mehr, medienwissenschaft
Was haben das Star Wars-Kid, niedliche Kätzchen beim Rumtollen und der Mann, der mit den Nunchakus tanzt gemeinsam? Richtig, alle findet man auf der Videoplattform, welche – um mal mit den Worten Homer Simpsons soziokulturelle Zusammenhänge darzustellen – dem Konzept des Footballs in die Leisten eine ganz neue Dimension gegeben hat.
„YouTube helps us to see the shifts which are occurring in the cultural economy: the grassroots culture appropriates and remixes content from the mass media industry; the mass media industry monitors trends and pulls innovations back into the system, amplifying them and spreading them to other populations. Yet as they do so, they often alter the social and economic relations which fueled this cultural production in the first place.„
Das und noch viel mehr schlaue Youtube-Analyse gibt es beim Henry Jenkins, dem MIT-Mann für die vergleichende Medienwissenschaft. Der stellt nämlich neun Thesen vor, nach denen man eine Kulturtheorie von Youtube, aber auch anderer verwandter Medienformen, formulieren könnte. Zu dem oben stehenden Zitat ist mir auch gleich wieder die passende Überschrift eingefallen. Die Sumpfmusik scheint sich zur beliebten Catchphrase in diesem Blog zu entwickeln, zumindest wenn man von der Verwendungshäufigkeit meinerseits ausgeht. Und die ist noch sehr gering – jedenfalls im Vergleich zum realen Leben. Da hört man das öfter von mir.

In Allgemeines on 17. Mai 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: Kultur 2.0, Luhmann, medienwissenschaft, Nerdstuff
Sprache ist ein tolles Ding. Ich meine, wo wären wir ohne Sprache? Wir müssten mit Gesten vorlieb nehmen oder hätten vielleicht ganz andere Wege der Kommunikation entwickelt. Hat nicht der selige Douglas Adams mal in einem seiner Bücher von einer außerirdischen Schweinerasse erzählt, die untereinander kommunizieren, indem sie sich kräftig in die Waden beißen? Müsste in einem der Anhalter-Bände gewesen sein. Zugegeben, diese Kommunikationsform ist sehr schmerzhaft, kann aber nichtsdestotrotz immer wieder im isolierten System des Fußballspiels beobachtet werden.
„Why do you believe in God?„
Aber zurück zur Sprache und ihren Erscheinungsformen: Da ist die Schrift als materialisierte Form des Gedächtnisspeichers, die räumliche und zeitliche Grenzen der Kommunikation aufhebt. Und in ihrer Doppelung des Gesprochenen verdeutlicht, was dieses schon immer auszeichnet. Dass ohne die Koppelung an unser verstehendes Bewusstsein und eine normativ strukturierende Kultur dieses Ding namens Sprache nun eben nur eine Ansammlung von Zeichen ist, die für sich allein stehend keinerlei Bedeutung haben. Die erst in Kombination untereinander und vor dem Horizont unseres Verständnisses davon anfangen, etwas zu bedeuten.
„The Bible tells us to believe in God.„
Sehen wir aber nur die abstrahierte Struktur eines Gesprächs – das Aufeinanderfolgen bestimmter Zeichenketten, die mit berechenbaren Wahrscheinlichkeiten aufeinander folgen – so bleibt nur das übrig, was gemeinhin als Gefängnis der Sprache bekannt ist. Die Unfähigkeit, außerhalb der vorhandenen Möglichkeiten zu kommunizieren. Begrenzte Optionen, die sich mit genügend Rechenleistung auch vorhersagen lassen.
„That’s circular reasoning.„
Man könnte hier eine Analogie zum Schachspiel anbringen; ähnlich wie beim Spiel der Könige sind auch bei der Auswahl der Anschlusskommunikation diese immer nur in einer endlichen Anzahl vorhanden. Wäre man in der Lage, tausende und abertausende Wahrscheinlichkeiten durchzurechnen, oder besser: wäre ein Computer dazu in der Lage, könnte dieser auch bald das kommunikative Äquivalent zu Deep Blue sein.
„I’m glad we have that all cleared up.„
Und mittlerweile können wir zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass spezialisierte Programme nicht nur mehr für kurze Zeit dazu in der Lage sind, den Anschein menschlicher Kommunikation aufrechtzuerhalten, sondern auch über die vollen 90 Minuten, wie bei den Wadenbeissern. Ein verstärkender Effekt ist die verzerrte Kommunikation von Menschen über das Internet, die den Anschein erwecken kann, das hinter manchen Äußerungen im Netz nie und nimmer ein Mensch steckt. Und wenn in einer Turing-Versuchsanordnung aufgrund dessen ein Chatbot eher für einen Menschen gehalten wird? Dann ist das natürlich ein Armutszeugnis für jeden Deppen mit DSL, aber auch wieder eine Bestätigung der Enge des menschlichen Geistes, welcher der Sprache nie entkommen kann.
„Yes. Would you like to hear a joke?„
Warum das hier? Darum. Wegen Alice und Jabberwacky. Weil die Konversation zwischen zwei Chatbots besser das Dilemma der menschlichen Kommunikation erklärt, als ich es je könnte. Dieser Text wurde übrigens als Antwort hierauf automatisch erstellt. Für weitergehende Konversation einen Kommentar hinterlassen. Nach etymologischer Analyse des Inhalts erfolgt mittels ausgefuchster Algorithmen die entsprechende Antwort. Für eventuelle Authentizität wird keine Haftung übernommen.