Orson Welles hat neben seinem Wirken als Radiomacher und Regisseur, das Theater auch nicht zu vergessen, eine nicht unbeachtliche Karriere als Schauspieler vorzuweisen. Darunter auch die Hauptrolle in dem auf einem Roman von Alexandre Dumas basierenden Graf Cogliostro von 1949.
Damals vermutete man auch noch Leben auf dem Mars. Und die Marsianer waren gern genutzte Schreckgespenste; Bilder eines fremden, dem eigenen Blick verschlossenen Anderen. Dazu kann man natürlich hervorragend H.G. Wells Krieg der Welten heranziehen: Ein Werk, welches durch die Jahrzehnte immer wieder in diesem Kontext gelesen wurde und dessen Interpretationen und Epigonen – 1953 als Verfilmung von Byron Haskin beispielsweise – immer wieder einen kulturellen Impact aufweisen konnten, der letztendlich immer dem Zeitgeist und den kulturellen Praktiken der Entstehungsära dieser Werke geschuldet war. Ich verweise bequemerweise mal hierauf.
Orson Welles hat da mit seiner berühmt-berüchtigten Hörspielversion auch seinen Beitrag geleistet. Auch wenn die immer wieder gern erwähnte Massenpanik wohl eher eine geschickt inszenierte Form der medialen Aufmerksamkeitsgenerierung war, der Grundstein für seine Karriere war damit gelegt. Auch zeichnete sich hier schon ein Aspekt von Welles Schaffen ab: über Citizen Kane bis zu F wie Fälschung war die Suche nach dem Wirklichen hinter dem medialen Abbild seine Triebfeder.
Und da gibt es eine Querverbindung, deren Ironie unter diesen Gesichtspunkten sehr vergnüglich erscheint. Begleitend zum Release von Black Magic, so der Originaltitel von Graf Cogliostro, trat Welles auch in einem Comicheft auf. In diesem Heft geht es darum, dass Welles bei den Dreharbeiten zu Black Magic von den Eroberungsplänen des obersten Marsianers namens Martler – eine Anspielung auf Hitler, von dem der Marsdiktator ein großer Fan ist – erfährt, diese aber Dank der Hilfe von Superman vereiteln kann.
“When I fooled the world with my Martian invasion broadcast, I never dreamed I would invade Mars myself!”
So lautet dann auch ein Ausspruch von Welles, als er sich versehentlich auf einem Raumschiff in Richtung Mars wieder findet. Seine Funksprüche, in denen er die Erde vor der drohenden Invasion warnen will werden missverstanden und angesichts seines vorherigen Hörspiels als inszeniert empfunden. Nur einer erkennt die wahre Größe der Bedrohung und eilt Welles zu Hilfe: Superman. Aber auch nach getaner Erdenrettung wird niemand Welles Glauben schenken. Und so geben sich hier die vermeintlich realen und die medial gedoppelten Wirklichkeitsebenen die Hände, professionell wie lächelnde Staatsmänner.
Und ich kann nur bewundernd dieses Gewirr entflechten, zusehen wie die Knoten sich in doppelt und dreifach gespiegelten Ebenen auflösen. Nur zu gern würde ich wissen, ob dieses Ebenenkonstrukt irgendjemand, wenn nicht sogar Welles selber, so entworfen hat – wissend um die Ironie dahinter, der Welt ein Rätsel hinterlassend. Vielleicht mit diebischer Freude daran.
[Via]





