Mit ‘medienwissenschaft’ verschlagwortete Einträge

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Der Mars macht mobil: Orson Welles & Superman

In Unkatzegoriert on 6. Mai 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

orson-welles-superman.jpg

Orson Welles hat neben seinem Wirken als Radiomacher und Regisseur, das Theater auch nicht zu vergessen, eine nicht unbeachtliche Karriere als Schauspieler vorzuweisen. Darunter auch die Hauptrolle in dem auf einem Roman von Alexandre Dumas basierenden Graf Cogliostro von 1949.

Damals vermutete man auch noch Leben auf dem Mars. Und die Marsianer waren gern genutzte Schreckgespenste; Bilder eines fremden, dem eigenen Blick verschlossenen Anderen. Dazu kann man natürlich hervorragend H.G. Wells Krieg der Welten heranziehen: Ein Werk, welches durch die Jahrzehnte immer wieder in diesem Kontext gelesen wurde und dessen Interpretationen und Epigonen – 1953 als Verfilmung von Byron Haskin beispielsweise – immer wieder einen kulturellen Impact aufweisen konnten, der letztendlich immer dem Zeitgeist und den kulturellen Praktiken der Entstehungsära dieser Werke geschuldet war. Ich verweise bequemerweise mal hierauf.

Orson Welles hat da mit seiner berühmt-berüchtigten Hörspielversion auch seinen Beitrag geleistet. Auch wenn die immer wieder gern erwähnte Massenpanik wohl eher eine geschickt inszenierte Form der medialen Aufmerksamkeitsgenerierung war, der Grundstein für seine Karriere war damit gelegt. Auch zeichnete sich hier schon ein Aspekt von Welles Schaffen ab: über Citizen Kane bis zu F wie Fälschung war die Suche nach dem Wirklichen hinter dem medialen Abbild seine Triebfeder.

Und da gibt es eine Querverbindung, deren Ironie unter diesen Gesichtspunkten sehr vergnüglich erscheint. Begleitend zum Release von Black Magic, so der Originaltitel von Graf Cogliostro, trat Welles auch in einem Comicheft auf. In diesem Heft geht es darum, dass Welles bei den Dreharbeiten zu Black Magic von den Eroberungsplänen des obersten Marsianers namens Martler – eine Anspielung auf Hitler, von dem der Marsdiktator ein großer Fan ist – erfährt, diese aber Dank der Hilfe von Superman vereiteln kann.

When I fooled the world with my Martian invasion broadcast, I never dreamed I would invade Mars myself!

So lautet dann auch ein Ausspruch von Welles, als er sich versehentlich auf einem Raumschiff in Richtung Mars wieder findet. Seine Funksprüche, in denen er die Erde vor der drohenden Invasion warnen will werden missverstanden und angesichts seines vorherigen Hörspiels als inszeniert empfunden. Nur einer erkennt die wahre Größe der Bedrohung und eilt Welles zu Hilfe: Superman. Aber auch nach getaner Erdenrettung wird niemand Welles Glauben schenken. Und so geben sich hier die vermeintlich realen und die medial gedoppelten Wirklichkeitsebenen die Hände, professionell wie lächelnde Staatsmänner.

Und ich kann nur bewundernd dieses Gewirr entflechten, zusehen wie die Knoten sich in doppelt und dreifach gespiegelten Ebenen auflösen. Nur zu gern würde ich wissen, ob dieses Ebenenkonstrukt irgendjemand, wenn nicht sogar Welles selber, so entworfen hat – wissend um die Ironie dahinter, der Welt ein Rätsel hinterlassend. Vielleicht mit diebischer Freude daran.

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Realitätskontrolle

In Allgemeines on 18. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Kleiner Nachtrag zum potentiellen Umweltbewusstsein bei Axel Springer, gefunden auf den NachDenkSeiten:

Diesem Blatt nun, das deutliche Glaubwürdigkeitsprobleme hat, verleihen die involvierten Umweltverbände ein Glaubwürdigkeitsgütesiegel. Das ist der eigentliche Skandal dieser Kooperation.

Da passt dann auch der Niklas wieder gut mit rein: der Realitätswert der eigenen Kommunikation wird natürlich – gestützt durch Institutionen des anerkannten Expertenwissens – um einiges angehoben. Jetzt sollte der Springer-Verlag seine Publikationen nur noch auf recyceltem Altpapier drucken. Am besten auch gleich das Format ändern: aufgerollt, so um die 10 Zentimeter breit. Dann ist die Zweitverwertung auch gesichert; und mit einem Wisch ist alles weg. Schön wenn dem so wäre, dem neuen Trend zum Klimaschutz.

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Zitäter

In Allgemeines on 17. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Ja, es ist ein Aspekt des Systems, daß es eine Selbstbeschreibung anbietet und sagt: ‘Wir haben gründlich recherchiert’ und so weiter – also im Bereich der Nachrichten. Es gibt ja Unterhaltung und alles andere auch noch, aber im Bereich der Nachrichten und Berichte… ‘Das ist also zuverlässig, so wie wir sagen, so ist es auch.’ Das gehört aber zu den Selbstbeschreibungen des Systems, und für die Soziologie ist das immer eine Frage, wie weit man dem folgen kann, oder wie weit man die Selbstbeschreibung dem System selbst zurechnen muß…...Ich würde sagen, genau das ist die Selbstbeschreibung, daß man behauptet, es sei keine, oder anders gesagt, daß man den Realitätswert der eigenen Kommunikation behauptet, unterstellt, auch in gewissem Umfang kontrolliert.

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Armbanduhrparadigma

In Allgemeines on 15. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Schließlich ist gute Wissenschaft immer noch gleichzusetzen
mit der relativen Verschwendung von Lebenszeit.

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Der Irre von Teheran…

In Allgemeines on 12. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

…und seine meisterliche Beherrschung des globalen Medienspiels. Oder so ähnlich. Wäre eine passendere Überschrift für diesen Zeit-Artikel. So sehr ich es gut finde, dass mal über die eigene Rolle nachgedacht wird, man bleibt immer selber Teil davon.

Sensationalisierung, Simplifizierung, Emotionalisierung sind nicht zufällig die dominierenden Prinzipien der globalen Industrie geworden. Zwangsläufig leiden darunter Kontext und Differenzierung. Es sollte ebenfalls kaum noch der Erwähnung bedürfen, dass demokratische Staaten in diesem Propagandakrieg die schlechteren Karten besitzen, als totalitäre Gesellschaften ohne freie Medien.

Die ersten beiden Sätze kann ich so unterschreiben, die Abhängigkeit vom Populären und seinen Inszenierungsformen bedingt eben immer eine gewisse Vereinfachung. Wenn man es nett umschreiben will. Aber so treffend diese Sätze und auch der Rest des Artikels sind, den letzten Satz da oben muss man einfach als unüberlegt bezeichnen. Wenn man nicht sogar schlimmere Geschütze auffahren will.

Denn die Argumentation liegt hier auf der Seite des Publikums, das eben nur das sieht und sehen darf, was eine totalitäre Gesellschaft vorgibt oder an medialen Ereignissen produziert. Und da liegt der Punkt begraben: die emotionale Berichterstattung, die im Artikel kritisiert wird, wurde in keinster Weise von einem totalitären, streng kontrollierten Mediensystem geliefert, sondern von der Königin der freien Presse, der BBC selbst. Und dieses Mediensystem hat in seinen Operationen einen entscheidenden Vorteil: die Option der Entscheidung über die Form der Berichterstattung. Die bleibt den iranischen oder meinetwegen auch nordkoreanischen Medien versagt. Haben dadurch diese totalitären Gesellschaften die besseren Karten?

Möglicherweise – wenn die Kommunikation nach innen gerichtet wird. Aber wie die so genannten freien Medien darüber berichten – welche Karte gespielt wird – das bleibt ihnen immer noch selbst überlassen. Genau so wie es mir überlassen blieb, relativ frei mit dem Begriff des Totalitären umzugehen. Und da vielleicht daneben zu greifen. Aber besser als nicht zu können.

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Oh, ein kariertes Jackett. Du bist wohl das erste Mal im Fernsehen, oder?

In Allgemeines on 10. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Sehr schönes Beispiel für eine Beobachtung zweiter Ordnung:

Während in der Parteiendemokratie die Medien die Politik beobachten sollten, damit sich die Staatsbürger eine vernünftige Meinung von ihr bilden können, beobachten in der Mediendemokratie die politischen Akteure das Mediensystem, damit sie lernen, wie sie sich und was sie präsentieren müssen, um in den Medien überhaupt präsent und attraktiv zu sein.

Du bist was du darstellst. Die Medien als Verstärker für die Aufmerksamkeitsökonomie. Aber nicht nur das, auch Politikverdrossenheit und der Extremismus der Mitte. Gerade letzteres ist eine Wortschöpfung sondergleichen. Da könnte ich gleich behaupten, die mediale Inszenierung von Realität würde den blinden Fleck ausblenden. Was aber natürlich auch, wie der Extremismus der Mitte, aus anderer Perspektive wieder begründbar ist. Wissenschaft ist eine Delikatesse nicht nur für Feinschmecker: sehr lesenswerter Artikel bei Telepolis.

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The most fucked up clip of today

In Allgemeines on 6. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Was bei Notruf mit Hans Meiser immer schade war: dass man das alles nachstellen musste. Live dabei geht anders. Künstliches Blut kickt auch nicht richtig. Die inszenierte Wirklichkeit kann eben nicht das sinnliche Erleben des Selber-Dabei-Seins simulieren. Aber zum Glück gibt es ja MTV, zwar seit Jahren nur noch ein Rudiment im Medienkosmos, aber ganz groß darin, die Wirklichkeit hinter der Inszenierung zu verkaufen. Oder zumindest den Anschein zu erwecken, dass es diese Wirklichkeit gäbe. Das diese gar nicht existieren kann, beweist die neueste MTV-Show; ein Bilder recycelnder Bastard aus privaten Aufnahmen und bereits integrierter Rezeptionswirkung namens Scarred. Passend moderiert von Jacoby Shaddix, der damit prima an seine eigene Beschränktheit anschließt.

Kann man die klassischen Slamparts in Skatevideos noch als Manifest der Selbstüberwindung und -erfahrung sehen, verweisend auf ein um dies wissendes Publikum und auch explizit an dieses gerichtet, bleibt hier nur noch der isolierte Moment übrig. Das Brechen, das Blut, immer wieder in Zeitlupe. Hier wird im reflektierenden Danach nicht die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers als unwiderlegbare Konstante erfahrbar gemacht, nein. Im ewig gleichen Kreisen um den Moment bleibt nur noch der voyeuristische Impuls übrig. Der immer wieder – auch bei Jackass und artverwandten Formaten – an der Inszenierung hängen blieb, eben keinen direkten Zugang bieten konnte, bei Scarred aber in seiner umfassenden Größe sichtbar wird.

Konsequent wäre dabei, auch das Video von Saddam am Galgen zu zeigen. Aber der stand leider nicht mehr zur Verfügung, um ein Hello i’m Saddam and this is my Scarred story in die Kamera zu sprechen. Wenn es zu painful wird, dann klopft eben die Wirklichkeit mit ihrer hässlichen Fratze wieder an die Tür – und da dürfen Folteropfer ihre scar stories nur nachts in den dritten Programmen erzählen. And believe me, you don’t wanna see this.

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Akademikerstarschnitt

In Allgemeines on 21. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Das ist nur ein kleiner Teil dessen, was Kevin Boyack und Dick Klavans erstellt haben. Die gesamte Karte ist um einiges größer als dieser kleine Ausschnitt:

scientific-map-small.jpg

This map was constructed by sorting roughly 800,000 published papers into 776 different scientific paradigms (shown as pale circular nodes) based on how often the papers were cited together by authors of other papers. Links (curved black lines) were made between the paradigms that shared papers, then treated as rubber bands, holding similar paradigms nearer one another when a physical simulation forced every paradigm to repel every other; thus the layout derives directly from the data. Larger paradigms have more papers; node proximity and darker links indicate how many papers are shared between two paradigms. Flowing labels list common words unique to each paradigm, large labels general areas of scientific inquiry.

Die Karte gibts in 6013×5783 Px und etwas kleiner hier. Jetzt brauch ich nur noch einen Großformatplotter. Am besten geschenkt.

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Fallhöhe

In Unkatzegoriert on 20. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Das Dilemma des Soziologen ist, dass er eigentlich seine eingenommene Perspektive nicht überleben kann, da die Luft in 1000 Km Höhe doch recht dünn ist. Wie Käpt’n Ahab an den Wal ist der Soziologe an eine Höhenforschungsrakete gebunden. Ob aus intellektueller Neugier oder manischer Besessenheit ist da je nach Einzelfall unterschiedlich.

Das ist schade. Insofern als das es genügend Leute gibt, die an eine Höhenforschungsrakete gefesselt besser aufgehoben wären. Sagt der Chef der Metaphernabteilung heute. Und der muss es wissen.

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Oder etwa nicht?

In Allgemeines on 9. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Der alte Franzose Jean Baudrillard ist ja letztens gestorben, glücklicherweise hat er vorher noch einige der schönsten Zeilen über den Nutzen von Satire und Parodie geschrieben:

Parody makes obedience and transgression equivalent, and that is the most serious crime, since it cancels out the difference upon which the law is based. The established order can do nothing against it, for the law is a second-order simulacrum whereas simulation is a third-order simulacrum, beyond true and false, beyond equivalences, beyond the rational distinctions upon which function all power and the entire social stratum. Hence, failing the real, it is here that we must aim at order.

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Buntertitel

In Allgemeines on 7. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Zum Thema der Verflachung von journalistischen Standards hab ich schon – mehr oder weniger differenziert oder wahlweise polemisch – mein eigenes Ramones-Intro geschrieben: 1, 2, 3, 4!

War bisher immer noch ein kleiner Zweifel in den hintersten Ecken meines Verstandes vorhanden – es könnte ja sein, dass die Welt immer so scheiße war und ich nur aus verklärenden Erinnerungen meine eigene kleine heile Welt der Vergangenheit imaginiere – so hat sich der endgültig verflüchtigt. Nicht nur wegen Zeilen wie diesen:

„Die Lehrer forderten die Schließung ihrer Schule – 80 Prozent Ausländeranteil hatten den Unterricht unmöglich gemacht.“

Nein, das ist keine Pressemeldung der NPD, sondern aus der Einleitung zu diesem BILD-Artikel, der Kumpelzeitung von Gerhard Schröder, die auch in gehobenen und gebildeten Kreisen gerne goutiert wird. Und damit deutlich macht, dass der so genannte Boulevard mittlerweile alles verloren hat, was ihn je als legitime Form der leichten Unterhaltung ausgezeichnet hat. Wobei man natürlich vortrefflich streiten kann, ob das nicht schon immer so war – dass hinter dem Glanz und Glamour immer die Faszination am Dreck und den Abgründen lauerte.

Um auf den Anfang zurück zu kommen: das Credo des objektiven Journalismus ist obsolet geworden. In einem sich gegenseitig bedingenden System von Nachrichtenproduktion und -konsum bewegen sich beide Seiten – links die Nachrichtenproduzenten, rechts die Rezipienten – in einem Raum, in dem aus dem vielfältigen Gewirr der um Aufmerksamkeit heischenden Stimmen die herausgehört werden, die am lautesten schreien. Laut heißt hierbei die möglichst hohe Anschlussfähigkeit, realisiert durch Formen des Ausdrucks, die direkt die emotionalen Zentren ansprechen und am wenigsten Eigenarbeit erfordern. Schwarz ist das neue Weiß, und wer Grau trägt darf alleine bleiben.

Nachzuvollziehen auch in einer von der Zeit initiierten Studie, die zwar nur auf das Vereinigte Königreich beschränkt ist, aber durchaus problemlos auch auf Deutschneyland adaptierbar ist:

Allen Medien gemein ist die Neigung, immer stärker auf Emotionen zu setzen und dem Subjektiven mehr Raum zu geben.

Weiterhin würden Zusammenhänge zunehmend emotionalisiert dargestellt werden, bewusst unterstützt durch sich etablierende Formen der Belohnung von redaktioneller Arbeit, die diesem Schema folgen. Der Reporter, der sein Thema am konnektivsten – an den Bauch statt den Verstand – kommuniziert erhält als persönliche Belohnung mehr Präsenz und der Verlag / Sender / Whatever freut sich über steigende Quoten. Und das betrifft nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen (reim dich oder ich fress dich!) und andere Instanzen der Nachrichtenverbreitung und medialen Kommunikation.

Rationaler Diskurs wird mehr und mehr durch Emotion ersetzt, eine Tendenz, die sich als „Feminisierung“ der Medien in den westlichen Gesellschaften deuten lässt.

Und das ist auch das Problem bei der Sache: gewissenhafte, gemeinnützige, sozial verträgliche oder nachhaltige Entscheidungen lassen sich – weder auf politischer, wirtschaftlicher noch sonst einer Ebene – nicht emotional treffen. Blinkende buzzwords bleiben immer nur abgeschlossene Platzhalter, die einen von vorneherein unüberschaubaren Bereich eingrenzen wollen. Akzeptiert man dies, so ist eine Beschränkung der Perspektive die unumgängliche Konsequenz.

Und so nimmt unweigerlich die Menge derer zu, die sich mit Worten bewaffnet – die im Grunde nie in der Lage sein werden, etwas ausreichend zu beschreiben – die Welt teilen in Gut und Böse. Das die größte Lüge der Menschheit die ist, Gewissheit über etwas zu haben, wird dabei um der Einfachheit willen im Keller versteckt. Würde man diese Prozesse als Kasperletheater, oder wahlweise als die Karnevalsversion von Hauser & Kienzle inszenieren, könnte das so aussehen.

Situativ spielen wir immer mit Wahrscheinlichkeiten, nie mit Gewissheiten. Und eben diese Kontingenz kann überhaupt erst Innovation begründen. Gefühl und Meinung gerne, aber bitte mit der Sahne des Zweifels, auch gerne mit Selbst davor. Und so langsam widerspreche ich meiner eigenen Einleitung, und das zu Recht. Auf Ich weiß dass ich nichts weiß ist also immer Gar nichts weißt Du! die richtige Antwort. Unter vielen, versteht sich.