Mit ‘Meinung’ verschlagwortete Einträge

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Insofern so nah

In Allgemeines on 20. April 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen:

Ich kann die grundlegende Kritik, die dort sehr vehement geäußert wurde einigermaßen verstehen. Auch wenn Generalisierungen und Schubladendenken ein unzertrennliches Paar sind. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Aber ja, kann man mal rauslassen, einige Richtige wird es schon treffen. Vielleicht damit auch mich.

Das hab ich aber erst heute Morgen beim Lesen dieses und dieses Artikels festgestellt. Da erscheint der intellektuelle Schlagabtausch doch in einem sehr merkwürdigen Licht. Und mir geht es hier nicht um irgendwelche geäußerten Positionen oder Ursachenunterstellungen, die sind großteils nachvollziehbar und müssen auch geäußert werden. Mir geht es um die ohne Verzug einsetzende Verbreitung des eigenen Wissens um die wahren Umstände, welches mit fast schon bewundernswerter Überzeugung vorgetragen wird.

Dabei ist doch der Zweifel der Vater der Gedanken. Und nein, auch wenn ich es hier genau andersrum geschrieben habe, ich widerspreche mir nicht. Es geht um ein fundamentales Ding, dass jeden, auch die Gelehrten in den berühmten Elfenbeintürmen betrifft. Eine unwiderlegbare Tatsache: Es gibt keine anderen Leute, es gibt nur uns.

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M.e.d.i.e.n.

In Allgemeines on 31. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Ungewöhnliche Eigenreflexion bei der Zeit heute. Nur das Ding mit der Verachtung von Seiten des Publikums lassen wir uns noch mal durch den Kopf gehen, ja? Die bezieht sich nämlich nur auf die Medien und Formate einer jeweilig entgegen gesetzten Gruppe – oder Schicht oder Milieu. Bezeichnungen wie auch Binnenperspektiven sind hier austauschbar. Und Gegenstand dieser Verachtung sind nie deren Medieninhalte – daran ergötzt man sich auch gerne selbst – sondern die Gruppe. Bei einem immerhin bin ich gleicher Meinung:

Der Verdrängungswettbewerb auf dem Markt der Medien verführt diese dazu, nicht allein auf Qualität und Ausdauer zu vertrauen, sondern Sensationen zu produzieren und sich selbst marktschreierisch anzupreisen.

Und lasst doch mal den Günter GraSS in Ruhe, der ist ein alter Mann. Und alte Leute sind komisch. Wenn sie es nicht sind, werden sie es mit ziemlicher Sicherheit in näherer Zukunft sein. Ich weiß das. Eigene Erfahrung und so. Und jetzt ist Schluss mit dem Metadiskurs.

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A Network of Friends

In Allgemeines on 13. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , ,

Insgeheim habe ich ja Angst, dass das 100$-Laptop-Projekt nur eine wirkungslose Gutmenschen-Geste bleibt, der Skeptizismus von der Illusion der allesheilenden Vernetzung an die Wand gestellt, die Pistole an der Schläfe. Andererseits ist es nicht zu leugnen, das der Zugang zum kulturellen Kapital – um mal den ollen Bourdieu zu gebrauchen – über die Kommunikationsröhren des Netzes geschieht. Somit zumindest virtuelle Partizipationsmöglichkeiten realisiert werden können.

Und hierbei – fast schon zu exakt – natürlich neuere soziologische Theorien über die sozialen Strukturen des neuen Jahrhunderts den Rahmen bilden, inkohärente Netzwerke mit ihren unzähligen Verbindungsmöglichkeiten die Basis für einen großen Schritt nach vorne bilden sollen. Dazu scheint auch das Desktop-Interface, wenn man das noch so nennen kann, sehr durchdacht und spiegelt den Netzwerkgedanken beinah ungebrochen. Der Träumer in mir findet das faszinierend, der Verstand will abwarten und der Zyniker ist geneigt, diesen 2.0-Hippies die Pest an den Hals zu wünschen.

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Wie füreinander gemacht

In Allgemeines on 13. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

In der Tankstelle stand ich an der Kasse. Vor mir noch etliche Leute. Und ich ertappte mich dabei, mit dem Gedanken zu spielen, mal wieder ein gedrucktes Medienerzeugnis mit nach Hause zu nehmen. Wollte aber nicht die Katze im Sack kaufen.

Der Journalist, der in ordentlich ausgestatteten Print-Redaktionen früher problemlos mal eine Woche für eine Geschichte hatte (und dabei auch noch ordentlich bezahlt wurde), besitzt ein völlig anderes Berufsbild als der tagesaktuelle Onliner, der jeden Tag eine Story nach der anderen einhackt. Die Zeit für Recherchen wird immer geringer, stattdessen verbrät man lieber wassersuppenartige Agenturmeldungen, angereichert mit wenig eigenem Fleisch. Der Nutzer kriegt das mit: Ein Blick bei Google News genügt, das alle das Gleiche schreiben.

Was ich lesen will, das steht nirgends geschrieben. Und wenn doch, dann steht es irgendwo zutiefst versteckt. In den meisten Zeitungen suche ich mir die Finger wund, im Netz erst recht, nur ohne Druckerschwärze. Jeden Tag 1227 knallharte Fakten, die brauch ich natürlich. Aber daraus ziehen kann ich außer den eigenen Schlussfolgerungen nichts.

Dem Journalismus ist es eigentlich völlig egal, was seine tatsächliche Darstellungsform ist. Er braucht nur ein Medium, in dem er adäquate Beachtung findet.

Und diese Tage kommt mir immer wieder und immer öfter der Gedanke, dass ich schon besseren Journalismus Scheiße gefunden habe. Wenn trotzdem mal die Flinte das Korn trifft, dann bin ich umso glücklicher. Gib mir einen Grund und ich werd mitsingen – vielleicht für immer. Ansonsten lass es bleiben.

Zitate von hier.

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Klimawandeln im Schlaf

In Allgemeines on 12. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Rein faktisch hat er ja recht mit seinen Behauptungen. Aber neben dem Zweifel gibt es auch noch solche Konstrukte. Und wenn er das unterschlägt, spielt er nur wieder Denen in die Hände, die das alles als Unfug abtun. Sieht man auch schon an den Kommentaren. Das gehört eher ins Ski- statt ins Wissenschafts-Ressort – das ist auch nicht mehr schneesicher.

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Buntertitel

In Allgemeines on 7. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Zum Thema der Verflachung von journalistischen Standards hab ich schon – mehr oder weniger differenziert oder wahlweise polemisch – mein eigenes Ramones-Intro geschrieben: 1, 2, 3, 4!

War bisher immer noch ein kleiner Zweifel in den hintersten Ecken meines Verstandes vorhanden – es könnte ja sein, dass die Welt immer so scheiße war und ich nur aus verklärenden Erinnerungen meine eigene kleine heile Welt der Vergangenheit imaginiere – so hat sich der endgültig verflüchtigt. Nicht nur wegen Zeilen wie diesen:

„Die Lehrer forderten die Schließung ihrer Schule – 80 Prozent Ausländeranteil hatten den Unterricht unmöglich gemacht.“

Nein, das ist keine Pressemeldung der NPD, sondern aus der Einleitung zu diesem BILD-Artikel, der Kumpelzeitung von Gerhard Schröder, die auch in gehobenen und gebildeten Kreisen gerne goutiert wird. Und damit deutlich macht, dass der so genannte Boulevard mittlerweile alles verloren hat, was ihn je als legitime Form der leichten Unterhaltung ausgezeichnet hat. Wobei man natürlich vortrefflich streiten kann, ob das nicht schon immer so war – dass hinter dem Glanz und Glamour immer die Faszination am Dreck und den Abgründen lauerte.

Um auf den Anfang zurück zu kommen: das Credo des objektiven Journalismus ist obsolet geworden. In einem sich gegenseitig bedingenden System von Nachrichtenproduktion und -konsum bewegen sich beide Seiten – links die Nachrichtenproduzenten, rechts die Rezipienten – in einem Raum, in dem aus dem vielfältigen Gewirr der um Aufmerksamkeit heischenden Stimmen die herausgehört werden, die am lautesten schreien. Laut heißt hierbei die möglichst hohe Anschlussfähigkeit, realisiert durch Formen des Ausdrucks, die direkt die emotionalen Zentren ansprechen und am wenigsten Eigenarbeit erfordern. Schwarz ist das neue Weiß, und wer Grau trägt darf alleine bleiben.

Nachzuvollziehen auch in einer von der Zeit initiierten Studie, die zwar nur auf das Vereinigte Königreich beschränkt ist, aber durchaus problemlos auch auf Deutschneyland adaptierbar ist:

Allen Medien gemein ist die Neigung, immer stärker auf Emotionen zu setzen und dem Subjektiven mehr Raum zu geben.

Weiterhin würden Zusammenhänge zunehmend emotionalisiert dargestellt werden, bewusst unterstützt durch sich etablierende Formen der Belohnung von redaktioneller Arbeit, die diesem Schema folgen. Der Reporter, der sein Thema am konnektivsten – an den Bauch statt den Verstand – kommuniziert erhält als persönliche Belohnung mehr Präsenz und der Verlag / Sender / Whatever freut sich über steigende Quoten. Und das betrifft nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen (reim dich oder ich fress dich!) und andere Instanzen der Nachrichtenverbreitung und medialen Kommunikation.

Rationaler Diskurs wird mehr und mehr durch Emotion ersetzt, eine Tendenz, die sich als „Feminisierung“ der Medien in den westlichen Gesellschaften deuten lässt.

Und das ist auch das Problem bei der Sache: gewissenhafte, gemeinnützige, sozial verträgliche oder nachhaltige Entscheidungen lassen sich – weder auf politischer, wirtschaftlicher noch sonst einer Ebene – nicht emotional treffen. Blinkende buzzwords bleiben immer nur abgeschlossene Platzhalter, die einen von vorneherein unüberschaubaren Bereich eingrenzen wollen. Akzeptiert man dies, so ist eine Beschränkung der Perspektive die unumgängliche Konsequenz.

Und so nimmt unweigerlich die Menge derer zu, die sich mit Worten bewaffnet – die im Grunde nie in der Lage sein werden, etwas ausreichend zu beschreiben – die Welt teilen in Gut und Böse. Das die größte Lüge der Menschheit die ist, Gewissheit über etwas zu haben, wird dabei um der Einfachheit willen im Keller versteckt. Würde man diese Prozesse als Kasperletheater, oder wahlweise als die Karnevalsversion von Hauser & Kienzle inszenieren, könnte das so aussehen.

Situativ spielen wir immer mit Wahrscheinlichkeiten, nie mit Gewissheiten. Und eben diese Kontingenz kann überhaupt erst Innovation begründen. Gefühl und Meinung gerne, aber bitte mit der Sahne des Zweifels, auch gerne mit Selbst davor. Und so langsam widerspreche ich meiner eigenen Einleitung, und das zu Recht. Auf Ich weiß dass ich nichts weiß ist also immer Gar nichts weißt Du! die richtige Antwort. Unter vielen, versteht sich.

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Mein Medienpartner mit der kalten Schnauze

In Allgemeines on 2. März 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Fritz vom Bootsektor schreibt heute über dumm gelaufene Marketingstrategien und bringt dabei eine eher unangenehme (fragt sich nur für wen) Anekdote aus seiner Zeit bei der seligen PowerPlay. Genauer geht es um einen Teil der Command & Conquer-Reihe, von dem keine Vorab-Testversionen rausgingen:

Die PP-Redaktion ging einen anderen Weg und besorgte sich einen der vielfach kursierenden Downloads, von fürsorglichen Westwood-Mitarbeitern vor dem Erscheinungstermin ins Netz gestellt. Mein Testergebnis fiel eher bescheiden aus: mittelmässige Grafik, Schwächen in der Spielbalance, im Ganzen eine Enttäuschung. Der Vertrieb Electronic Arts sperrte daraufhin Bemusterung mit Infos und Software sowie alle Anzeigen für drei Monate.

Dafür wurde wohl das Wort Medienpartner erfunden. Ein Wort, welches nicht mal im Duden steht, jedenfalls nicht in der normalen Ausgabe. Ein Wort, welches die Grenze zwischen journalistischer Berichterstattung und der Assimilation in einen übergeordneten Komplex von Ökonomie, Konsum und Marketing zunehmend unschärfer macht.

Ein Wort, welches noch nicht Unwort des Jahres war, es neben Humankapital und Ich-AG aber durchaus verdient hätte. Ein Wort, das sich in bestimmten Kreisen auch gerne hinter Begriffen wie Musikfreunde und Streetteam versteckt – aber trotzdem ob seiner hässlichen Visage unverkennbar bleibt. Eurozeichen in den Augen, die Nase gepudert vom Koks und den Schnurrbart akkurat nach dem neuesten Furz gezwirbelt. Professionell sieht anders aus.

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By A Minor Thread

In Unkatzegoriert on 28. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Ich kenne einen, den das besonders freuen wird: By A Thread planen ein neues Album, das Zweite nach Last of the Daydreamers von 1999. Soll im Sommer auf Revelation Records kommen. Und einen Vorgeschmack gibt es bereits – wo auch sonst – auf der MySpace-Seite. Viel Spaß damit.

Aber was Punkrock mit einer Murdoch-finanzierten Firma zu tun hat, muss mir erst mal einer erklären. Und kommt mir nicht mit dem Scheiß, von innen gegen das System zu arbeiten und so. Das funktioniert vielleicht wenn Einflussmöglichkeiten gegeben sind und somit Reformansätze oder Innovationen durchgebracht werden können. Nenn mir einer so etwas bei MySpace. Das ist da nicht drin; was drin ist, sind eure Nutzerdaten, Lieblingsfilme, Musik – euer gesamtes Geschmacksprofil, das nur auf Marktforscher wartet.

Da könnte man gleich für seine Flyer und Botschaften Seitenplatz in der Springerpresse kaufen. Da bezahlt man statt mit persönlichen Daten mit Geld. Kein großer Unterschied, denn eure persönlichen Daten sind Geld wert; einzeln vielleicht nicht viel, aber wenn die kritische Masse überschritten ist, sollte man die Profitmöglichkeiten dahinter nicht unterschätzen. Und dieser Profit geht nicht mehr in die Szene – was immer auch die Szene ist.

Der springende Punk(t) bei der Sache ist: es gibt jede Menge frei verfügbare OpenSource-Software, Webspace ist auch nicht das Problem, warum also hat sich DIY im Punk-Social-Networking noch nicht durchgesetzt?

Wahrscheinlich weil die Punker von heute online eher mit Selbstdarstellung denn mit Inhalten beschäftigt sind. Und sind sie dann mal offline, wird das eigene Klein- bis Großunternehmertum gepflegt. Mein Respekt an alle, die noch ohne auskommen, ihr wisst wer ihr seid. Der Rest kann gepflegt kacken gehen. Bevorzugt auf das schicke neue MacBook, das gibt zusammengeklappt eine prima Klappstulle.

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Killerspiele töten

In Allgemeines on 23. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , ,

Nicht über diese Sache, aber über den verlinkten Panorama-Beitrag regen sich einige auf, darunter netzpolizik.org und der Zufallsfaktor. Das auch zu Recht, für mich aber ohne das überraschte Element. Als ich – nach langer Zeit mal wieder – das letzte Mal Panorama, Monitor oder eins der anderen öffentlich-rechtlichen Magazine sah, hab ich mit Erschrecken eine unschöne Tendenz feststellen müssen. Die Tendenz zum immer populistischeren Marktschreien im TV-Äther; was bei Polit- oder Wirtschaftsskandalen noch leicht übersehen werden kann, wurde bei dem Killerspiele-Beitrag richtig deutlich. Dass die Arbeitsweise und die Wahl der Inszenierung den Privaten zum Teil in nichts nachstehen. Potenziert durch Unwissenheit über den in der Populärkultur und im Sozialen immens bedeutsam gewordenen Gaming-Komplex.

Ich hätte nicht gedacht, dass der Schlechte Recherche-Tag so oft passend ist. Mag man beschissen finden, ist aber letztendlich ein zwingendes Resultat, wenn die Quote und der Zuschaueranteil den Ton angeben. Und der macht bekanntlich die Musik.

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Hubert, Denk!

In Allgemeines on 19. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Jahrelang hab ich mich über die Veranstaltungshinweise in den Lokalteilen diverser Zeitungen amüsiert. Da war des Öfteren von Funk-Punk die Rede, obwohl die lokale Band im Jugendzentrum im Leben nicht nach den Chili Peppers klang. Eher wie eine Schülerpunkband die zuviel Nirvana gehört hat. Trotzdem waren solche Vertipper immer ein großer Quell der Schadenfreude, einige kleine Gefühlseinheiten der Überlegenheit – man war ja szeneerfahren – mit inklusive.

Amüsiert hab ich mich heute auch über Hubert Denk. Der schreibt über die Mord-Studentin, die eigentlich das Opfer eines solchen wurde. Aber für die Keywordpräsenz in den URLs wird da wohl gerne die Realität umgedreht. Aber das ist Nebensache. Interessanter ist da diese Passage, inspiriert von einem BILD-Leser-Foto, über einen der vermeintlichen Mörder:

Jan trug ein T-Shirt der Punk-Band „Misfits“ (Außenseiter). Ihr Logo: ein Totenschädel mit Kapuze. Mit ihren Liedern („Brennende Körper hängen von Pfosten“) wurde die Gruppe zur einer der bekanntesten Horror-Gruppen der Welt.

Nun stelle ich mir mal den – natürlich nur rein fiktiven – Recherchevorgang des Herrn Denk vor. Der bestand wahrscheinlich aus einer Wikipedia-Suche, die auch denn Artikel über die Misfits lieferte. Oha, da fand er aber keine Stichworte, die er verwenden konnte. Kein Blut, kein grausiges Plattencover, wie also weiter?

Da sieht er ein blaues Wort im ersten Satz. Horrorpunk. Horrorpunk? So wie Horrorvideos? Da ist ja der Sprung zu Gewaltspielen und sonstigen Abgründen der verkommenen Jugend nicht weit. Also schnell geklickt.

Nach grobem Überfliegen dann die Enttäuschung: wieder nichts Verwertbares. Kein Gedärm, fast schon so lau wie Tokio Hotel. Doch halt, aus dem hier kann man doch sicher was draus basteln. Aber es muss schnell gehen, das Weinbesäufnis mit Franz Josef Wagner zum Wochenanfang steht an. Und danach will man noch ein klein wenig jungen Mädchen auf die knospenden Brüste glotzen, wenns heute so warm wird wie gestern tragen die bestimmt alle knappe Sachen.

In der Eile also übersehen, dass Brennende Körper hängen von Pfosten die wörtliche Übersetzung einer Zeile aus einem Songtext ist. Und kein Song von den Misfits. Aber hört sich besser an als Braunblättrige Höhenangst. Also schnell reingetippt und ab zu Franz Josef, der hat karnevalsbedingt schon mehr intus und reißt schlechte Witze. Da will man nicht nachstehen. Und wer weiß, vielleicht fällt auch Frischfleisch ab, denn wer hat denn beim Karneval noch keine abgekriegt?

So oder so ähnlich hätte es sein können. War es vielleicht auch – ich weiß es nicht. Aber ich weiß ein tolles Wortspiel, das mir auch gleichzeitig die Mühe abnimmt, mir einen passenden Titel zu diesem Beitrag auszudenken. Es gibt nämlich Namen, die haben die Leute einfach nicht verdient. Da hilft nur der Imperativ. Und nein, Hubert, das ist kein Folterwerkzeug.

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Ignorant People Shouldn’t Breed

In Allgemeines on 12. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Inklusion und Exklusion als Instrument der Kontrolle und Machtausübung ist ein altes Thema. Rudolf Sturnberger macht das mit leichtem ironischen Unterton in seinem Telepolis-Artikel zur 43. Konferenz zur Sicherheitspolitik in München noch mal deutlich. Die räumliche Distanz ist da gleichzeitig Ausdruck der Partizipationsmöglichkeiten; Demonstranten in der Peripherie leben nicht nach dasselbe Leben wie die Teilnehmer der Konferenz. Da drängt sich doch sofort die klassische Barbaren-Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie auf. Fragt sich nur wer die wirklichen Barbaren sind, wer wirklich weniger zivilisiert ist:

Es ist die Tragik jeder Demokratie, dass bei uns jeder seine Meinung öffentlich vertreten darf und dass man politisch Verantwortliche in einer Demokratie schützen muss. In Diktaturen würde so etwas nicht passieren.

Sagt Horst Teltschik, Organisator der Konferenz, nachzuhören hier. Und beweist somit eine enorme Distanz seines Denkens zu demokratischen Grundwerten. Im Winter weiß ich wenigstens woher die Kälte kommt, hier bin ich ratlos.