Mit ‘Persönliches & Alltag’ verschlagwortete Einträge

In Unkatzegoriert on 31. Oktober 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Büro, Blase, Kaffee, Persönliches & Alltag
In einem überaus lahmen Meeting zu sitzen und aus einer Mischung aus Langeweile und Übermut heraus unentwegt Kaffee zu konsumieren, ist eine sehr wahrscheinliche Situation. Ein Trinkspiel daraus zu machen und bei jeder Erwähnung von umstrukturierenden Maßnahmen einen Schluck zu nehmen ist ebenso wahrscheinlich. Nach Überschreiten der zweiten Stunde ein natürliches Bedürfnis verspüren ist auch wahrscheinlich, oft sogar nur die logische Konsequenz.
Den Blick ziellos über den Tisch schweifen lassen und dabei eine Überschrift in einer älteren Ausgabe des Handelsblatts erspähen, die in fetten Lettern danach fragt, was zu tun sei, wenn die Blase platze, das ist dagegen sehr unwahrscheinlich.
Und in keinster Weise hilfreich.

In Unkatzegoriert on 14. Oktober 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Büro, Hasen schlagen Bogen jagen, Kaffee, Persönliches & Alltag
In einem unachtsamen Moment die Kaffeetasse vom Tisch geschoben. Leider nicht auf den Boden, sondern in den eigenen Schoss. Nun sieht der aus wie der Stirnfleck von Michail Gorbatschow. Oder auch wie eine Karte der Welt, die, ausgelöst durch versehentlich gezündete Atombomben, einer verheerenden Kontinentalverschiebung unterworfen ist. Andere Interpretationen seien dem werten Leser hier erspart.
Da hilft nur eine systemtheoretische Betrachtung der Finanzkrise.

In Unkatzegoriert on 21. August 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Alltag, Büro, Freiheit, Persönliches & Alltag, Schreibtisch, Wilder Westen
Auf dem Schreibtisch: Tastatur, Monitor, Maus und Telefon. Ein Stapel mit alten Briefumschlägen, einer Firmenbroschüre, darauf ein Plastikclip, wie er eigentlich zum Verschließen von Frischhaltetüten verwendet wird. Ich frage mich, wie der da hinkommt, ich kann mich nämlich nicht erinnern, ihn dahin gelegt zu haben. Linkerhand liegen 3 Filzschreiber – alle Kugelschreiber sind irgendwo verschollen, ein Umstand, der meiner Angewohnheit, beim Verlassen des Büros immer einen davon in die Hemdtasche zu stecken, anzulasten ist. Komischerweise kehre ich immer ohne Schreibgerät in der Hemdtasche ins Büro zurück.
Dann: drei Klebezettelchen in hellblau mit unleserlichen Notizen, eine leere Kaffeetasse und eine ebenso leere Flasche Mineralwasser. Etwas entfernt: zwei Pflanzen, ein Locher und eine Packung Tastaturreinigungstücher, die allerdings schon zu trocken sind, um damit irgendetwas anderes als verrostete Nägel abzuwischen. Dann beginnen auch schon die Grenzlinien zu den Tischen der Kollegen. Die könnten aber auch in China oder Indien stehen, das würde von den Distanzen keinen Unterschied machen. Dahinter die Fenster, geöffnet, es weht eine leichte Sommerbrise und gedämpft klingen die Geräusche des Alltags herauf. Gitterstäbe in den Fenstern sind keine zu sehen, ich bin nicht angekettet und auch die Tür ist offen. Zwischen hier und der Freiheit stehe nur ich – oder der Kitsch.
Man sagt, der wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an. Hier hört er auf.

In Unkatzegoriert on 24. April 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Hardcore, Hey Punk!, Kassel, Persönliches & Alltag, punk, Ryker's, Tatto, Tätowierung
Mit der Freundin alte Familiengeschichten aufgewärmt. Diese in beinahe Ritualform und regelmäßigen Abständen wiederholten Anekdoten, die wohl jeder Familie eigen sind und ohne die das Fundament dieses Beziehungsgeflechts schnell bröckeln würde. Mantras für eine Institution der sozialen Einheit. Da ist klar, das deren Neuigkeitswert gegen Null geht. Manchmal aber auch neue Einsichten. Die Freundin erzählte von einem Mitglied ihres engsten Familienkreises, welches sich damals Mitte der 90er, das Logo der berühmt-berüchtigten Ryker’s aus Kassel tätowieren lassen wollte. Nur echt mit Apostroph und platter Attitüde. Das allein wäre schon schlimm genug gewesen, denn nicht umsonst bin ich bis heute gegenüber Leuten skeptisch, die mit den Ryker’s zum Hardcore gekommen sind.
Ich habe das bis jetzt immer unter Jugendsünde verbucht, denn trotz aller Bedenken kann ich in Grenzen nachvollziehen, dass ein Motiv wie dieses mit seinem straßenaffinen Graffitistyle und juvenil-provozierender Gewaltassoziation für Frischlinge in der Pubertät durchaus attraktiv wirkt. Nun ja, bis heute konnte ich das nachvollziehen. Bis mich die Freundin am Esstisch aufklärte, dass besagtes Familienmitglied eigentliches das andere Logo der Kasseler Brüllaffen auf die Wade haben wollte. Eine ganz neue Dimension: das Ding ist dermaßen hässlich, da zieht es mir heute noch die Schuhe aus. Glücklicherweise haben die Eltern das untersagt.
Dafür reformieren sich die Ryker’s wieder. Fragt sich was besser ist.

In Unkatzegoriert on 15. April 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Kleiner Unfall, Persönliches & Alltag, Tankstelle, Zapfpistole
An der Tankstellenkasse überhöre ich ein Gespräch. Zwei Männer hinter mir, an einem der Stehtische für den schnellen Sturzkaffee. Einer der Konversationsteilnehmer – der jüngere mit den Händen in den Hosentaschen, so um die zwanzig Jahre alt – macht ein zerknirschtes Gesicht. Wie drei Tage Regenwetter würden ältere Semester wohl dazu sagen. Mehr als eine ab und zu hörbare Bestätigung in Form eines ‘Hm’ ist von ihm nicht zu hören. Die Kasse piept und klackert vehement, fast übertönt sie ihn.
Dafür ist die Stimme des anderen Gesprächspartners laut und deutlich. Er hat ein Formular vor sich liegen, dass er gerade mit einem Kugelschreiber, der mit dem Logo eines großen Automobilclubs versehen ist, ausfüllt. Seine Bekleidung lässt darauf schließen, dass er offenbar zum Personal dieser Tankstelle gehört. ‘Wurde die Polizei verständigt?’ fragt er in einem Ton, der klar macht, dass die Antwort nur von ihm selbst kommen kann. Die Verneinung aus seinem Mund und das adäquate Häkchen auf dem Formular folgen auf der Stelle.
‘Beschreiben sie kurz den Hergang des Unfalls’ sagt er dann und hält kurz inne, während er einen prüfenden Blick auf sein Gegenüber richtet. ‘Beschädigung der Zapfpistole und des Einfüllstutzens durch Ausfahren aus dem Bereich der Zapfanlage 3 ohne vorheriges Aushängen der Zapfpistole?’ schnarrt er weiter, diesmal mit einem zur Bestätigung auffordernden Unterton. Ich bekomme meine Quittung und gehe an den beiden vorbei zur Tür. Der Kugelschreiber klopft erwartend auf den Stehtisch.
Ich trete hinaus, die tiefstehende Sonne lugt hinter den Wolken hervor. Genau hier fängt der wilde Westen an, denke ich so bei mir, zur Sonne, zur Freiheit. In Gedanken habe ich den Fuß schon auf dem Gaspedal und die Hände am Lenkrad.
‘Hm’ höre ich den jungen Mann noch antworten.

In Allgemeines on 7. April 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Famile, Persönliches, Persönliches & Alltag, Stolz
Manchmal frage ich mich, was andere Leute wohl über meine Familie und mich so denken. Abseits von alltäglichen Zuweisungen und dem tolerierten Horizont an Verhaltensweisen legt die nämlich ab und zu ein Auftreten an den Tag, welches mich eigentlich peinlich berührt zurücklassen sollte. Ganz gerne kann da beispielsweise ein Einzelhändler in den Genuss einer Großfamilie kommen, die seinen Laden in Beschlag nimmt – wohlgemerkt nur zum Umsehen, in den seltensten Fällen wird etwas gekauft – und dem Begriff der fehlplatzierten Dörflichkeit durch lautstarke Anmerkungen zum Warenbestand und zur doch etwas komisch geratenen Inneneinrichtung ganz neues Leben einhaucht.
Auch zeigen sich Grenzbeamte, die einem Familienmitglied mit vorgetäuschten Mängeln in den Ausweispapieren den Zutritt zu ihrem Land verwehren wollen schwer verwirt, wenn statt des erwarteten Fünfzigers in der Hemdentasche plötzlich eine zweistellige Anzahl an Menschen um sie herumsteht, und wissen will, was Sache ist. Dabei wird wild gestikuliert; auch die durchschnittliche Sprechlautstärke scheint in meiner Familie etwas höher angelegt zu sein, da pfeifen schon manchmal mir selbst die Ohren.
Trotzdem, peinlich berührt bin ich davon eigentlich nicht.
Eher empfinde ich sowas wie Stolz. Nein, nicht den feinen Stolz der edlen Leute, die zufrieden über ihre Ländereien blicken. Eher den Stolz der Holzfäller, ohne deren Axt im Walde kein Haus gebaut werden könnte.

In Allgemeines on 26. März 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Deodorant, Ich stinke kaum, Persönliches & Alltag, Tabac, Toilette
Auf der Herrentoilette steht neuerdings ein Deodorant neben dem Waschbecken. Mit einem zurechtgeschnittenen Aufkleber auf der Seite. Selbstgemacht in Word offenbar, weißer Hintergrund, die Schriftart ist Times New Roman in 36pt, schwarz und unterstrichen. Man muss die Deodorantdose mit den Fingern drehen, um den vollständigen Satz lesen zu können, der in doppelter Ausführug auf diesem Aufkleber steht. ‘Sie können mich auch benutzen’ lautet er.
Ich blicke in den Spiegel und bin mir relativ sicher, nicht damit gemeint zu sein.

In Allgemeines on 25. März 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Überflüssig und Spass dabei, Information, Informationsgesellschaft, Kultur 2.0, Medial & Mehr, Papierkorb, Persönliches & Alltag
Ich sag Ihnen eines: Es ist nicht das Überangebot an verfügbarer Information, die das Leben in diesem Zeitalter so schwierig macht. Das der Mensch nicht alles erfassen kann, das ist schon immer so gewesen. Ebenso waren das Erkennen, Sortieren, Filtern, Kategorisieren und Verarbeiten von Information schon immer grundlegende Funktionen des Seins und werden das wohl auch bleiben. Die wirkliche Verwerfung, meine Herren, sehen Sie daran, dass der Papierkorb für überflüssige und uninteressante Information immer größer werden muss. Also Schluss damit, die Informationsgesellschaft braucht keine neuen Formen der Medienkompetenz oder neue strukturelle Muster der Informationsverarbeitung, sondern nur ein genügend großes Behältnis für das Unwichtige.
Wenn Sie das hier mit dem nächsten Klick schon wieder vergessen haben, dann haben Sie alles richtig gemacht. Glückwunsch, für Sie wird das neue Jahrhundert kein Problem sein. Sollten Sie allerdings meinen, das sei keins von diesen Dingen, die man schnell mal abhandeln kann, dann haben Sie ein Problem mit Ihren Prioritäten. Nicht böse sein, das gibt sich. Spätestens wenn Sie mit hängenden Kopf und gefalteten Händen in der Notaufnahme sitzen, nur dumpfes Linoleum im Blickfeld, und das wirkliche Leben Ihnen auf die Schulter tippt.

In Allgemeines on 13. März 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Bürokommunikation, Kommunikation, Outlook, Persönliches & Alltag, PR
Jeden Morgen beim Kaffee öffnet sich mir das Herz aller Bürokommunikationen. Trotz aller Romantik, die man dieser Formulierung andichten kann: Das sieht immer noch verdächtig wie Outlook aus. Aber ästhetische und funktionale Kriterien anlegen zu wollen, ist bei diesen Dingen eh ein hoffnungsloses Unterfangen.
Das trifft in gleichem Ausmaß auch auf die Formen der Kommunikation zu, die sich mir in diesem Herz offenbaren. Von rabenschlechter Grammatik und Rechtschreibung, zweideutigen Anweisungen bis hin zu beinahe mysteriösem Englisch ist da alles vertreten. Dabei fällt auf, dass je höher die Position, desto höher ist offenbar auch die den Untergebenen zugemutete Toleranzgrenze an kryptischer Kommunikation. Ab der mittleren Führungsebene entfällt wohl Pflicht, sich präzise und verständlich ausdrücken zu müssen. Ich weiß zwar nicht, was genau mit Storytelling als Management-Instrument gemeint ist, aber so in etwa stelle ich mir das vor. Dass dieses Konzept in der Realität dann eher an kollektives Rätselraten anstatt an stringente Geschichten erinnert, haben sich die Berater wohl nicht gedacht – oder einfach unterschlagen.
Trostloser noch wird die Situation durch den Umstand, dass die seltenen Lichtblicke in dieser Ödnis der unverständlichen Zeichen die gelegentlichen Mails von Leuten sind, mit denen man irgendwann mal Visitenkarten getauscht hat. Die diesen Umstand als willkommenen Anlass nehmen, mir in seltsam regelmäßigen Abständen Informationen zum Thema „Erfolgsstrategien a-u-ß-e-r-g-e-w-ö-h-n-l-i-c-h erfolgreicher Menschen und wirklich einzigartiger Unternehmen“ zukommen zu lassen.
Und die meinen das ernst.

In Allgemeines on 6. März 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Google, Nerdstuff, Persönliches & Alltag
„Hey Mäuschen, Google und alle damit verbundenen Webservices waren heute bei Leuten mit Telekom-DSL eine halbe Stunde down.“
- „Und? Dann gehts halt mal für eine halbe Stunde nicht.“

In Allgemeines on 6. März 2008 von Mark Mit Tag(s) versehen: Bayern, Persönliches & Alltag
Hier im besten Bundesland aller Deutschländer ist der Sinn für Ordnung, höfliches Benehmen und den geregelten Gang der Dinge viel, viel ausgeprägter als an anderen Orten. Da mag man dazwischenrufen, diese Behauptung mit unzähligen Tatsachen – vom Transrapid bis zum Gammelfleisch – untermauern und generell Empörung zeigen. Nun, das ist verständlich, übersieht nur diesen komischen Schlenker im Weltgefüge, dass eben genau solche Sachen hier den Standard für Ordnung, höfliches Benehmen und den geregelten Gang der Dinge setzen.
So hat es den Anschein, hier unter dem blauweißen Himmel, wo zwischen Bierzelt und Pissrinne die wichtigen Geschäfte getätigt werden. Ich weiß, wer im Wirtshaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen, aber manchmal kommt mir das hier vor wie zotenloses Bauerntheater. Und ich in der Rolle des auswärtigen Trottels, Ziel jeder krachledernen Pointe, den Abgang immer mit Tusch und Blasmusik begleitet.
Dann wünsch ich mich ganz weit weg, ohne sagen zu können wohin.