Mit ‘Persönliches’ verschlagwortete Einträge

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Flutwarnung

In Allgemeines on 28. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Es gab heute immer wieder ganz kurze Regenschauer. Aber nicht die von der leichten Sorte, eher das, was man generell unter sintflutartig versteht. Nach mir eben diese war ein Gedanke, der mir kurz durch den Kopf ging. Vielleicht wäre es einfacher, alle Anknüpfungspunkte an diese Welt zu lösen, keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Alle Ängste wären dann hinfort gespült – und das ganz ohne fürchterlichen Joachim Witt-Pathos – weit weg in der Ferne, nur noch ein kaum wahrnehmbares Schimmern. Der Silberstreif am Horizont, den ich getrost vergessen könnte.

Diese gedankliche Flipperkugel wurde sofort von meinen Bumpern mit einem kurzen Ruck wieder auf die richtige Bahn geschossen. Ich kann eben nicht aus meiner Haut – ebenso wenig wie daraus fahren. Und ehrlich gesagt, mittlerweile bin ich verdammt froh darüber. Der Regen war auch schnell wieder vorbei. Und merkwürdigerweise schienen die Strassen sauberer zu sein.

Aber vielleicht trügt der Anschein, vielleicht ist das nur die glitzernde Fassade. Vielleicht hat diese Hurenstadt noch viel Böses vor.

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Kriegskind

In Allgemeines on 26. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Weitere besondere Auffälligkeiten während des Familienbesuchs gab es kaum. Nur eines ist mir im Gedächtnis geblieben: ich saß am Tisch und entfernte ein kleines Kettchen, vielleicht einen Zentimeter lang, von meinem Schlüsselbund und ließ es auf dem Tisch liegen, mit der Absicht, es beim nächsten Gang zum Mülleimer zu entsorgen. Vorher hing da das kleine Plastikding dran, mit dem die Wegfahrsperre meines Autos entriegelt wird. Diese fünf Gramm Altmetall fielen nun meinem Vater ins Auge.

Was denn das sei war die erste Frage. Ich erklärte es ihm, unterstreichend mit dem Hinweis, dass das daran befestigte Plastikding schon zweimal abgefallen war, da die Kettenglieder sich in der Hosentasche ständig aufbogen. Die folgende Frage war trotz meiner Erklärungen unumgänglich: ob ich das noch bräuchte?

Ich verneinte und wies noch mal auf die mangelnde Verarbeitungsqualität und den anzweifelbaren qualitativen Status hin. Das half jedoch nicht, wie so vieles andere wanderte das Kettchen in die Tasche meines Vaters, um – dem bin ich mir gewiss – in seinem Werkzeugschuppen den verdienten Platz zu finden. Kategorisiert und beschriftet, in einer ebenfalls zweitverwerteten Zigarrenschachtel.

Da wird dieses wertlose Ding sein restliches Leben fristen, zusammen mit unzähligen Schrauben, Gummidichtungen, Taschenrechnern, Uhren und sonstigen Dingen, die mein Vater vor dem Schrottplatz gerettet hat. Und vielleicht steckt für ihn auch ein Wert dahinter. Alles könnte irgendwann mal wichtig werden; vielleicht ist der frühe Verlust der Heimat der Auslöser für solches Verhalten geworden. Vielleicht lebt er immer noch in einer Welt, in der das was man sich aufgebaut hat mit einem Augenzwinkern wieder verschwunden ist. Ersetzt von Trümmern und Rauch, die einen in die Fremde treiben.

Vor einiger Zeit hatte ich ihn im Krankenhaus besucht, es war nicht klar ob er das überleben würde. Nur eines war klar: es behagte ihm ganz und gar nicht, gezwungenermaßen plötzlich alle Zeit der Welt zu haben. Mit seinen Erinnerungen, mit der eigenen Vergänglichkeit.

Tand, Tand / Ist das Gebilde von Menschenhand! erzählte er mir, hatte ein Lehrer in seiner Schulzeit immer wieder rezitiert. Das schien ihm das Schlimmste zu sein: das alles was er erlebt, gesehen, aufgebaut und niedergerissen hatte nicht mehr da wäre. Verschwunden in der Zeit. Vielleicht versucht er deshalb, so viel wie möglich zu hinterlassen; nicht weil er es einmal gebrauchen könnte. Sondern weil damit das Ende, das Verschwinden seines Lebens vielleicht weniger ziellos wäre. Vielleicht. Ich weiß es nicht.

Was ich weiß ist, dass – egal wie sehr wir dagegen ankämpfen oder darüber reden – es Dinge gibt, die wir nie wieder loswerden. Die uns immer begleiten werden. Bis zum Ende. Vielleicht auch darüber hinaus.

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There and back again

In Allgemeines on 18. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Nach Tagen voller Funkstille bin ich wieder zurück. Und muss wie immer feststellen, dass am Verreisen das Unterwegs-Sein das Beste ist. I like the feeling of being in motion again heißt es so passend in einem Song von den Mountain Goats. Endlose Stunden auf der Autobahn. Das Gefühl raus zu kommen. Weg von der Heimat, weg von der Welt, weg von mir.

Am Ende komm ich aber doch immer wieder bei mir selber an. Verdammte Scheiße. Ist nicht so einfach mit der Realitätsflucht. Aber es gibt Schlimmeres; schlimmere Orte zum Ankommen und schlimmere Orte zum Verweilen. Ich war noch nie da, aber ich glaube Göbeln ist so ein Ort.

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Die Zeiten ändern sich

In Allgemeines on 11. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Gerade auf der Straße einen tiefschwarzen Benz gesehen. Auf dem Fahrersitz ein Mittdreißiger mit Schnauzbart und Goldohrring. Zigarette locker in der Hand, Asche aus dem heruntergelassenen Fenster schnippend. Passend zum Stereotyp auch ein Heckscheibenaufkleber. Aber keiner vom örtlichen Tuning-Club, auch nicht Jägermeister oder die Böhsen Onkelz – die niederste aller Heckscheibenkommunikationen.

Nein, nichts von alledem. Hinten prangte groß und weiß der Schriftzug eines nicht unbekannten Computerspiels.

Counterstrike.

Auf der Heckscheibe.

Komplett mit Sniper-Logo. Die Zeiten ändern sich. Immer schneller, manchmal zu schnell. Der Kontakt zur Welt löst sich und manchmal komm ich nicht mehr hinterher.

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Woarpf

In Allgemeines on 10. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Heute Mittag hat die Freundin ihren Nerdiness-Level wieder um -1 modifiziert. Da sprach sie nämlich von der Worf-Geschwindigkeit. Ich gebe zu: Warp und Worf klingen ähnlich (vor allem wenn man einen nuschelnden Freund hat), aber zum Glück ist ihr dieser Lapsus im Privaten passiert. Nicht auszudenken wenn das auf einer Convention so hörbar gewesen wäre. Zum Glück hat sie noch von hier ihre +3 Computer Skills, Erfahrungspunkte bleiben somit im Plus. Und das mit Jackie Chan wird auch noch.

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Take the money and run

In Allgemeines on 9. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Heute wieder den Anzug aus dem Schrank geholt. Geschäftstermin. Immer so eine mit Floskeln und Nichtigkeiten ausgefüllte Begebenheit. Kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich bei so einer Gelegenheit das letzte Mal jemand etwas einigermaßen Kluges sagen gehört habe. Ist auch schwer, im Metakonstrukt der Ökonomie sind wir alle Blindgänger.

Ich bewundere auch immer meine fast schon chamäleonhafte Fähigkeit, zu solchen Anlässen inhaltslose Sätze in die Runde zu stellen. Weil keiner eine Ahnung hat fällt das aber nicht auf. Wenn Schuhe Lügen wären, dann hätte ich heute ein Paar blank polierte Lügen getragen. Einen gewissen boshaften Spaß kann man da durchaus empfinden. Leider hat das nichts mit mir zu tun. Und ich bin froh wenn ich da unbeschadet rauskomme. Take the money and run – aber zieh dazu die Sportlügen an.

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Berühmtheiten

In Allgemeines on 6. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Einmal lief ich mit einem sehr guten Freund durch die Stadt. Er als Standard-Punker mit Kapuzenpulli, Baggypants und schwarzen Fingernägeln. Ich komplett in schwarz, Chucks an den Füßen und eine Basecap ins Gesicht gezogen. Wir sahen beide richtig böse aus, aber das wollten wir so. Die Welt war schlecht und die Gesellschaft sowieso. Tanzen würden wir nur auf ihren Trümmern.

Wir kamen durch die Straße, die auch das lokale Theater beherbergte. Um die Ecke biegend – wir die Härte in den Augen, waren wir die coolsten Säue in dieser Stadt – kam uns jemand entgegen. Es war Peer Augustinski, bekannt aus Funk und Fernsehen, mit zerfurchtem Gesicht und blondem Haar, das ihm ins Gesicht wehte. Er blickte auf, taxierte uns kurz und war auch gleich an uns vorbei; um die Ecke verschwunden.

Heh, war das nicht…? sagte mein Freund. Ich darauf Ja, Mann, das war Peer Augustinski! Aber der Moment war schon verflogen. Nur ein flüchtiger Blick, leise wie Blätter im Herbstwind.

Ein perfekter Moment für ein Plattencover, hätten wir ihn nur irgendwie festgehalten. Es stellte sich heraus, dass Peer Augustinski für ein Gastspiel in der Stadt weilte. Wir haben ihn in den folgenden Tagen nicht wieder gesehen. Damals und heute nicht. Nie wieder.

Keine Autogramme. Aber besser als jährlich Chaostage.

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Come Get Some

In Allgemeines on 5. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , ,

Die Freundin hat gerade eben ihren Laptop aufgemotzt. Jetzt ertönen bei verschiedensten Windows-Ereignissen Samples von The IT Crowd. Das ist cool. Aber noch viel cooler ist, dass die Freundin gleich den Schwierigkeitsgrad auf Advanced gesetzt hat. Soll heißen sie hat extra dafür Mp3-Samples zu Wave-Dateien konvertiert. Völlig ohne meine Hilfe, das ist echt herzergreifend. Wenn ich Tarzan wäre, würde ich mir jetzt auf die stolzgeschwellte Brust trommeln.

Jetzt muss sie nur noch lernen, dass die Filme von Jackie Chan ernst zu nehmende Werke sind – aber nicht der neumodische Hollywood-Schund, den er die letzten Jahre gemacht hat. Das schaffen wir bestimmt in den nächsten 3 Jahren.

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Zurück in die Vergangenheit

In Allgemeines on 3. Februar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Hab vor kurzem foobar2000 entdeckt. Der bietet ja das tolle Feature, alle Tracks per Replay Gain-Funktion in der Lautstärke anzupassen. Wer viele von Vinyl gerippte Tracks in der Playlist hat, wird das zu schätzen wissen. Ich zum Beispiel. Also hab ich heute morgen foobar angeschmissen und meine kompletten Mp3s in die Playlist gezogen und mal angefangen, die aneinander angleichen zu lassen. Mittlerweile ist es 2 Stunden später und er zeigt mir immer noch verbleibende 4 Stunden an. Gleichzeitig lass ich ihn einfach mal die Playlist durchshufflen, und da kommen ungeahnte Schätzchen und Erinnerungen zum Vorschein. Gerade jetzt United Cigar, vom ersten Good Riddance-Album. Ich weiß gar nicht mehr wann ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe. Da war das Album frisch draußen und der Song einer der Wenigen, der meine damalige Situation und Frustration perfekt zum Ausdruck brachte.

„The day is through the lights are off and i’m alone again
Electrons comfort me, the television is my only friend“

Immer noch ein großartiger Song. Der auch immer in meinen Erinnerungen einen kleinen Platz haben wird; bei jedem Hören diese auch wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses an die Oberfläche spült. Bin mal gespannt was als Nächstes kommt, es kann kaum mehr besser werden. Und auch schon Trackende, ich erlebe einen kurzen Moment gespannten Wartens. Oh je, Cotzbrocken. Ich brauch einen Platz wo ich hingehör…KZ! Noch mal ein kurzer Moment, mein Finger über der Maustaste.

Fünf Minuten, Schleimkeim, Sicko und Rites Of Spring später bin ich bei Uncle Tupelo. Das wird noch den ganzen Tag so weitergehen. Kein Ende in Sicht – und ich mag es so.

Und Freitag Nacht wird für mich immer nur eine unter vielen Nächten bleiben.

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Einen Löffel Rotz

In Allgemeines on 30. Januar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: , ,

Gestern Abend wollte mir die Freundin weismachen, dass ich die Nacht zuvor im Schlaf ein Papiertaschentuch gegessen, zumindest darauf herumgekaut hätte. Nun bin ich zwar erkältet und erinnerte mich daran, etliche Male zur Nasenerleichterung aufgewacht zu sein, aber die Dinger essen? Es soll ja Momente geben, in denen man etwas tut, aber eigentlich noch schläft. Nur sind die meines Wissens nach noch nie mir passiert, also eine Premiere. Es ist eher die Freundin, die nachts Dinge sagt, an die sie sich am Morgen nicht mehr erinnern kann. Sollte das also nun auch mich betreffen?

Nach 5 Minuten Grübeln meinerseits kicherte sie los und ich fühlte mich wie ein naives, leichtgläubiges Kind. Das nenn ich mal einen vorsätzlichen Missbrauch meines tiefen Vertrauens zu ihr. Als Rache werde ich heute Abend wirklich ein Taschentuch essen, mal sehen wie sie reagiert. Ich darf nur nicht eines der benutzten erwischen. Das wäre fatal.

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Alter Emo

In Allgemeines on 28. Januar 2007 von Mark Mit Tag(s) versehen: ,

Höre in unregelmäßigen Abständen englische Wörter aus dem anderen Zimmer. Da sitzt die Freundin und beschäftigt sich gerade mit linguistischen Begebenheiten und den feinen Unterschieden im gesprochenen Wort. Unterschiede die ich nie begreifen werde. Untermalt vom rhythmischen leiseklacken der Uhr im Wohnzimmer denke ich ans Zubettgehen. Unter einem warmen Schutzpanzer die Welt ausschalten und verstummen lassen, zumindest für einige Stunden.

Gleich kommt sie zu mir und die Nacht wird eingeläutet. Nicht wie im Boxring mit Getöse. Nein, leise und fast unhörbar werden wir dem Tag entkommen. Und morgen wieder. Und wieder.

Heute ist mein Name Gustav Gans; deiner hoffentlich auch.