Experten gibt es ja viele. Marketing-Experten, IT-Experten, Haushaltsexperten, Inneneinrichtungsexperten, sogar Expertenexperten sollen schon gesichtet worden sein. Nicht zu verwechseln sind die Experten mit dem gemeinen Intellektuellen. Der zeichnet sich nämlich durch ein gerütteltes Maß an Reflexions- und Artikulationskompetenz aus, die es ihm ermöglicht, gesellschaftsweit Sachverhalte zu durchschauen und diese – schlau analysierend – vorzutragen. Alles mit dem Gedanken im Kopf, dass es auch anders sein könnte. Alles in allem also ein possierliches Tierchen.
Experten wiederum sind Experten, man könnte auch Fachidiot als passendere Bezeichnung ihres strukturellen Status vorschlagen, so falsch läge man da nicht. Hier zählen nur das Wissen und die Fähigkeiten in einem bestimmten, scharf abgegrenzten Bereich. Ein Arzt beispielsweise ist ein Experte für das körperliche Wohlbefinden, während ein Pilot in erster Linie ein Experte für das Fliegen von Flugzeugen ist. Damit natürlich auch für das körperliche Wohlbefinden zuständig ist, schließlich will man heil wieder runterkommen. Aber, und da liegt der Hund begraben, dies ist nur eine sekundäre Verantwortung. Man erwartet nicht von ihm, eine Rückenmarkspunktion fehlerfrei durchzuführen.
Man sollte also Vorsicht walten lassen, wenn Experten in fremden Gefilden wildern, sich in anderen Bereichen als den eigenen bewegen. Auf der Ebene von handwerklichen Fähigkeiten kann das mal mehr, mal weniger schief gehen, vielleicht wird es sogar funktional, in seltenen Fällen sogar ansehnlich. Wenn es aber um geistige Aneignung von Fremdkompetenz geht, dann ist der Intellektuelle gefragt. Und um den gemeinen Intellektuellen ist es sehr schlecht bestellt. Zumindest wenn man das aktuelle Cicero-Intellektuellen-Ranking betrachtet. Da steht Dorris Dörrie ebenso drin wie Walter Moers und Benjamin von Stuckrad-Barre. Angeführt wird die Liste der, nun ja, Feuilleton-Luder könnte man sie nennen, von unser aller Papst, dem Herrn Joseph Ratzinger.
Moment mal, der Papst ist intellektuell? Da kann doch was nicht mit rechten Dingen zugehen, seit wann ist katholische Weltfremdheit denn in diesen Kreisen hoffähig? Da hilft vielleicht, wenn man sich das Zustandekommen dieses Rankings ansieht, denn das basiert auf der Nennungshäufigkeit in den 160 wichtigsten deutschsprachigen Zeitungen. Na dann muss ich mich nicht wundern. Oder gerade eben doch: Da müsste doch Knut an erster Stelle stehen. So prinzipiell, wenn man vom geistigen Einfluss auf die Gesellschaft ausgeht.
Es wird sich eben viel mehr auf der Expertenebene des zu-allem-was-zu-sagen-haben rumgetrieben, ansonsten wäre so eine Peinlichkeit nicht passiert. Da treffen sich die zwei großen hässlichen S: Selbstreferenz und Selbstüberschätzung. Und keiner hat das besser erkannt als Reinhard Jellen, der auch passende Worte findet:
“Da wo andere ein Gehirn haben, hat der geistige Hochkaräter von heute seine Fahne im Wind.“
Und nicht nur das, mittlerweile gilt auch das Schmieren jedes eigenen Nasenpopels auf den Tisch des gesellschaftlichen Diskurses nicht mehr als unfein. Intellektuell geht aber anders. Nicht blöd in die Kamera grinsen. Es nicht zu tun, zu wissen in welchen Momenten man Zurückhaltung üben muss, aber doch im richtigen Moment den Richtigen mit dem forsch vom Finger geschnippten Nasensekret mitten zwischen die Augen zu treffen. Das, liebe Freunde, heißt es intellektuell zu sein.