Getaggt mit Schlechte Recherche

It’s Kerry King in a lab coat! Run!

Es gibt immer eine Person, die, sollte in kleinerem oder größerem Kreise eine humoristische Anekdote oder gar eine Zote erzählt werden, die Pointe erst nach verklungenem Gelächter, etlichem Nachfragen und bemühter Rekonstruktion dessen, was daran eigentlich komisch war versteht. Der Anfang einer solchen humoristischen Anekdote könnte in etwa so lauten:

Zum Weihnachtsfest bekam ich ein Abonnement der Zeit geschenkt, von der heute auch das erste Exemplar eintrudelte, zwar einige Stunden später als erwartet und nicht im dafür vorgesehen Briefkasten, aber dennoch. Beim Durchblättern sprang mir auch gleich ein kurzer Artikel, nein, ein Interview ins Auge. Und die Pointe? Nun, die könnte diesen Wortlaut haben.

Gute Witze sollten eben alle Jahre wieder erzählt werden.

Ich weiß nur nicht ob der wirklich komisch ist.

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In der Sprachkolonie

Alle reden über Franz Kafka und sein pornographisches Vermächtnis. Worüber alle nicht reden, es sich aber durchaus lohnen könnte, mal darüber geredet zu haben: Heiner Lauterbach und sein wertvoller filmischer Nachlass, Markus Lanz und sein charismatisches Auftreten, Palmer Eldritch und seine drei Stigmata, Roland Koch und sein schlechtes Gewissen, Johannes Heesters und die Würde des Alters.

Oder auch: die Angst des Feuilletonisten vor einer leeren Seite.

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Selbstbeobachtung ist ein pingeliger Luxus, den man sich erlauben muss

Auch wenn eine Medienpartnerschaft – ein schönes Wort übrigens, auf den ersten Blick harmlos und mit einem guten Klang, auf den zeiten Blick substanzlos – mit dem CHE und dessen Hochschulranking Vorteile verspricht, ist das noch lange kein Grund, dafür journalistische Grundsätze außer Acht zu lassen. Denn warum gibt es in diesem Artikel als Dienst am Leser einen Link zum CHE-Ranking, aber keinen zum Wissenschaftsrat? Obwohl der doch in der Einleitung hoch gelobt wird:

Gerade hat dieses renommierte Gremium, das die Politik in Sachen Forschung und Lehre berät, wieder seine Unentbehrlichkeit bewiesen.

Der angegebene Grund für die Unentbehrlichkeit? Da wird die scheinbar fehlende Expertise für Hochschulforschung an den Hochschulen allgemein, und das bei einem näher behandelten Fachbereich wie der Soziologie, angegeben. Nun ja, dass sich in der Soziologie ein ganzer Themenzweig zum System der Wissenschaft – und das beinhaltet ausdrücklich auch die Reflexion der eigenen Disziplin – entwickelt hat, hat sich wohl noch nicht bis in die Redaktion der ZEIT rumgesprochen. Komisch, denn an angebotenen Seminaren, Büchern und Forschungsprojekten scheint es in diesem Bereich nicht zu mangeln. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Da passt die im weiteren Verlauf gebrachte Behauptung, dass angeblich nie zuvor der Zustand einer Gesellschaftswissenschaft umfassender und fairer [sic] beurteilt worden sei, perfekt zur Kategorisierung dieses Artikels. Der ist als Glosse nämlich gut aufgehoben, auch wenn die Pointe so gar nicht ziehen mag.

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