Wenn Frank Herbert noch von den Ausläufern des italienischen Neorealismus beeinflusst worden wäre. Dann wäre Paul Atreides ein Zuhälter in den Straßen Arrakeens, der für ein bisschen Spice seine Freunde verrät.
Mit ‘Science fiction’ verschlagwortete Einträge

Tränen im Regen

Electric Sheep is a free, open source screen saver run by thousands of people all over the world. It can be installed on any ordinary PC or Mac. When these computers „sleep“, the screen saver comes on and the computers communicate with each other by the internet to share the work of creating morphing abstract animations known as „sheep“. The result is a collective „android dream“, an homage to Philip K. Dick’s novel Do Androids Dream of Electric Sheep.
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum der Gott der digitalen Kommunikation die Flatrate ohne Volumenbegrenzung geschaffen hat. Gerade ist der Download fertig geworden und ich bin gespannt. Hier kann man sich immer den Status der Schafe ansehen, den die können von denen, die den Screensaver am Laufen haben, hochgevotet werden. Und bleiben damit länger im Traum, mutieren und entwickeln sich. Und das ist nur ein Teil des Konzeptes (pdf).
Algorithmen fand ich in meinen zwei Semestern Informatik zwar immer langweilig, aber das hier haut mich vom Hocker. Ernsthaft und ungelogen.
[Via]

Wir spielen Science, wir spielen Fiction, wir spielen Science Fiction!
Let it be said that futurism and SF are quite different endeavors. A rude person might say that futurism is about feeding inspirational received truths to businessmen and telling them it will help them make more money. SF is about unruly artistic visions.
Sagt der Rudy Rucker und hat damit so was von Recht.

Dampfmaschinenpunker
Wer als mittelmäßig interessierter Science Fiction-Leser durch das Netz surft, der wird kaum das vermehrte Auftreten der Bezeichnung Steampunk übersehen haben. Grob umrissen könnte man das mit der Imagination von alternativen Welten umschreiben, in denen die viktorianische Konzeption von Wissenschaft und Technik das Leben prägt.

Das sowohl auf der technischen Ebene, in Form von dampfgetriebenen Maschinen, als auch in den kulturellen und sozialen Auswirkungen, die man denken kann, indem man das viktorianische Weltbild in all seinen Konsequenzen auf dem Zeitpfeil weiter in die Zukunft treibt. Das kann natürlich auch mit anderen vergangenen Zukunftsvorstellungen geschehen, etwa mit der Mechanik der Renaissance, was dann auch folgerichtig mit Clockpunk betitelt wird. Wenn man denn so sagen will, ein geschicktes Re-Imaginieren gestriger Ängste, Wünsche, Vorstellungen und Träume, im rahmenden Kontext des Heute aufgegriffen.
Dabei, und das muss man beachten, wenn man sich diesen Genrekonzeptionen annähert, ist die Beschäftigung mit historischen Zukünften – Was für ein Wort! – nicht von der Gegenwart entkoppelt. Um einen Begriff zu verwenden, den ein Luhmann-Epigone, ich glaube es war Urs Stäheli, für eine Eigenschaft der globalen Populärkultur entworfen hat: historische Vergangenheit und ihre Zukunftsbilder, reales Heute und unsere Zukunftsvorstellungen bilden ein Vergleichsarrangement. Eine Konstruktion, die es uns erlaubt, unsere eigene zukünftige Existenz, und auch die unserer Gesellschaft – gefangen in einem ständig schneller werdenden Wandel – im Vergleich zu relativieren. Das meint auch Henry Jenkins:
„…past imaginings of the future need to be understood as historical artifacts of older ideologies about human progress and that their remobilization in the present can be used as a means of reflecting on the failures of those dreams to become realities.„
Oder auch eine Flucht in die Romantik vergangener Zeitalter, getrieben von nicht mehr formulierbaren Unsicherheiten der post-postmodernen Welt? Das wäre auch leicht zu glauben, wenn man den hobbyistischen Eifer betrachtet, der ein wesentlicher Bestandteil des durch die Möglichkeiten des Netzes generierten Steampunk-Mythos ist, an den neben Autoren und Blogschreibern auch – in Ermangelung eines besseren Wortes – Heimwerker anschließen. Biedermeier-Nerds, allesamt? Wäre eine leicht zu denkende Annahme angesichts des Verhaltens, Bruchstücke der Vergangenheit in den Fokus zu rücken, um nicht zu sagen auf ein Podest zu erheben. Oder etwa nicht?
„If modern art offered us the shock of the new, residual media represents the shock of the old, a blunt reminder of the failed hopes and utopian longings of earlier generations.„
Ja, das kommt eher hin. Wenn auch durch die Hintertür, oder wahlweise auch im Subtext, kommt immer wieder durch die Reflexion von politischen und sozialen Zusammenhängen vergangener Zeiten der nicht wegzudenkende Vergleich herein. Und da ist es manchmal doch überraschend, dass der Kontrast nicht ganz so groß ausfällt, auch gerne mal kaum mehr wahrnehmbar ist. Auch wenn sich manifestierte Formen des Steampunk-Mythos jeder politisch oder sozial getriebenen Narration enthalten, wie in diesem famosen Werwolf-Vermächtnis beispielsweise, sagen sie doch viel über uns selbst aus, über unsere verdrängten oder überhaupt nicht fassbaren Ängste vor der Zukunft. Und sind damit schon wieder beinahe subversiv, in dem sie dem omnipräsenten Forward! des Fortschrittsdenkens eine Reminiszenz von vergangenen, nicht erfüllten Sehnsüchten gegenüber stellen.
Bleibt nur noch eine Frage übrig: Ist das jetzt Punk? Da kann die Antwort ja lauten, oder auch nicht. Denn Worte sind nur Worte, können nur Worte sein. Und Punk ist nur eines: Das was Du nicht bist. Noch nicht.

Schicke Kajüte

Man könnte leicht glauben, die Idee eines Tunnels unter dem Ärmelkanal sei aus einem Roman von Jules Verne. Das habe ich dann auch – mit vorgetäuschter Ignoranz – damals Anfang der Neunziger immer behauptet, wenn Gespräche über den Chunnel geführt wurden. Da wohl jeder Jules Verne kennt, aber keiner wahrscheinlich auch nur einen seiner Romane gelesen hat, war das eine leichte Täuschung. Heute ist ja fast alles von Verne in der Arno-Schmidt-Referenzbibliothek verfügbar, da ist die Gefahr der Enttarnung bei solcherlei Behauptungen größer. Abgesehen davon hätte ich auch gerne einen Arbeitsplatz in den Büros von Three Rings Design, die Fotos hier machen doch einiges her.

Hypertextspace
Ab und zu kommt in mir das Gefühl auf, um meine Zukunft betrogen worden zu sein. Nein, nicht auf die politische oder soziale Art, nichts über gebrochene Versprechen der kollektiven Erwartung, wie die Welt aussehen würde, wenn ich mal groß bin. Es geht vielmehr um den primären Traum jedes nerdigen Kindes an der Schwelle zur Pubertät – oder schon mittendrin. Faszination heißt in diesem Fall Commodore C16, Atari VCS 2600 (nur beim Nachbarskind leider) und jeder Science Fiction-Roman, der in der Stadtbibliothek ausleihbar war. Eine eskapistische Traumwelt par excellence.
Raumschiffe mit Überlichtgeschwindigkeit, Wurmlöcher und Laserkanonen! Allein schon die Verwendung des Wörtchens Laser in manchen Filmen reichte aus um mich mit offenem Mund vor dem Fernseher sitzen zu lassen. Ich konnte kaum die Zukunft erwarten, in der ich das alles auch selber haben und erleben konnte. Aber die Vorzeichen standen schlecht, in meiner Jugendzeit wurden exponentiell mehr Joysticks angefasst als Mädchenbrüste. Erschreckende Proportionen. Also schon mal um die Jugend betrogen.
Dann sollte wenigstens die Zukunft großartig werden. Hüstel, ist sie ja auch, das Internet, mobile Kommunikation jederzeit, weltumfließende Datenströme, durch die wir mit traumwandlerischer Sicherheit navigieren, gekoppelt an das Pulsieren von Information. Ist ja alles schön und gut, aber so richtig existent und straight ist das nicht. Wo sind die Roboter, die interstellaren Raumexpeditionen und vor allem: Wo sind die verdammten Laserkanonen? Wo ist die Zukunft, die mir versprochen wurde?
Vielleicht war das nur in meiner Imagination so, vielleicht war die Welt schon immer so ein Abbild eines durchgeknallten Post-Futurismus. Aber immerhin bin ich nicht der Einzige mit diesen Gedanken. Nur schade ist die Tatsache, dass ich keine Bücher darüber schreibe. Das machen andere. Ich bin nicht allein.
Aber vielleicht sind wir es.

RomanTick
Rudy Rucker hat die begleitenden Notizen zu seinem neuen Roman Postsingular veröffentlicht. Die kann man als Pdf hier runterladen. Wobei 300 Seiten eigentlich keine Notizen mehr sind, eher ein Journal. So verwundert es auch nicht, dass da neben kompletten Storyfragmenten auch Ideensammlungen und Strukturoutlines zu finden sind. Und die sind nicht stichwortartig dahingeschrieben, sondern eher durchdacht und ausformuliert. Eine unglaublich nerdige Art und Weise des Schreibens möchte ich anmerken.

Dazu passt dann auch der Romance Graph, der den Grad der Liebe der jeweiligen Protagonisten beschreibt. Je näher die vertikalen Linien an den Zeilen der anderen Charaktäre sind, desto mehr fühlt sich die Person zu diesem Zeitpunkt der Handlung zu diesen hingezogen.
Entschuldigt mich, aber ich bin sprachlos.

Pixelquark
Neal Stephenson würde auf seinem Totenbett also kaum sagen, er wünschte, er hätte mehr Zeit damit verbracht, auf seinem Arsch zu sitzen und auf Pixel zu starren. Ich weiss ja nicht, Pixel sind doch auch nur Menschen. Zumindest sehr kleine. Ich seh die immer im Park, da flanieren sie ganz ungeniert.

Herzensangelegenheit

Wenn Sie den folgenden Zeilen keinen Glauben schenken wollen – wozu Sie durchaus das Recht haben – möchte ich Sie trotzdem bitten, mir zumindest kurz Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Denn Sie müssen wissen, dass trotz allen Zweifeln, die jeder Mann mit einem gesunden Verstand im Angesicht dieser Geschehnisse vorbringen würde, ich all dies mit meinen eigenen Augen gesehen habe. Und nicht nur gesehen, nein, auch meine eigenen Hände waren Teil davon. Und so sehr die Augen einem trügerischen Anschein, genährt von der Flüchtigkeit des reflektierten Lichts, das sich an der Netzhaut bricht, erliegen mögen, wird doch durch die direkte Berührung mit den eigenen Händen die Existenz der Dinge gewiss – kann man es in seiner gesamten Existenz spüren, so wird die Verleugnung dieser Ereignisse unmöglich.
Das ist auch der Grund, warum ich keine Gründe habe, meine Erinnerungen anzuzweifeln: ich bin geistig nicht in der unglücklichen Lage, meinen eigenen Wahrnehmungen nicht trauen zu können, warum sollte ich die Wirklichkeit dessen, was ich in jener Nacht gesehen habe in Frage stellen?
Glauben Sie mir, ich habe oft darüber nachgedacht. Aber es gibt nur eine richtige Schlussfolgerung: keine Vorstellungskraft, auch nicht die eines Verrückten, könnte diese Unmenge an kleinsten Details hervorbringen, an die ich mich erinnere und die sich auf ewig in mein Gedächtnis eingebrannt haben.
Doch lassen Sie mich von Anfang an beginnen. Und entschuldigen Sie bitte, sollten manche Sätze einen unvertrauten Klang in Ihren Ohren haben. Sie müssen wissen, dass ich erst vor einigen Jahren in Ihrem Lande sesshaft geworden bin. Zwar hatte ich schon vorher rudimentäre Kenntnisse Ihrer Sprache, aber diese beschränkten sich meist auf gelegentliche geschäftliche Kontakte, die ich im Rahmen der Ausübung meiner Profession pflegte.
Die Tage waren kalt und grau, nur überboten von den Nächten. Die waren eisig und auch der Schein des vollen Mondes konnte die Schwärze kaum durchdringen. Schlechte Tage für Leute wie mich, die eisige Kälte brachte die Hände zum Zittern und Handschuhe behinderten mich außerordentlich bei meiner Arbeit. Und jede Verzögerung war gefährlich, konnte die entscheidenden Sekunden kosten, die uns statt der erhofften Beute einen unerfreulichen Aufenthalt im Zuchthaus einbringen würde. Und das ging mittlerweile immer schneller, Leute wie wir waren willkommene Prügelknaben, unser Glanz überdeckt vom Dreck der an den Rand Gedrängten. Unser Leben wurde gefährlich, dazu kam, dass die – kläglichen – Erträge auch nicht mehr so hoch waren wie noch einige Jahre zuvor, oft erwarteten uns nur Schuldscheine – die Zeiten schienen uns nicht wohl gesonnen. Hatten sie uns am Kragen folgte unweigerlich der Kopf.
Ich hatte mir fast die gesamte erste Februarwoche die Nächte um die Ohren geschlagen, bis ich auch in den verkommensten Spelunken nicht mehr anschreiben lassen konnte. Das letzte Ding war noch zu Anfang des Winters über die Bühne gegangen und mittlerweile wurde es klamm. Ich verbrachte einen gesamten Tag auf der Suche, aber alle üblichen Verbindungen waren unergiebig. So stieg ich im fahlen Schein der Straßenlaternen – die gittergleiche Schatten an die Wände warfen – durch das Treppenhaus hoch zu meiner kleinen Dachwohnung. Meine Türe lag im Dunkel, doch im Lichtschein konnte ich eine behandschuhte Hand erkennen, die auf dem Handlauf des Geländers ruhte. Dort stand jemand. Wartend.
„Herr Dietrich, nehme ich an?“ drang eine mir unbekannte Stimme durch die Dunkelheit, begleitet von leisem Ticken. Offenbar von seiner Taschenuhr. „Man sagt, Sie hätten besondere Fähigkeiten.“ Ein Gesicht schob sich in mein Blickfeld: graue Haut, kantig-ebene Gesichtszüge, die Augen erfüllt von einem wissenden Funkeln.
Ich war – bevor mich die Gewandtheit meiner Hände und Finger im Stich ließ – ein Schlüsselmacher. Das war zumindest der Name, unter dem in bestimmten Kreisen meine Tätigkeit bekannt war. Das mag Ihnen seltsam erscheinen, aber in diesen frühen Tagen des anbrechenden Jahrhunderts bildeten Leute von meinem Schlag eine verschworene Gemeinschaft. Und wir hielten uns an die Regeln, erregten keine Aufmerksamkeit, verpfiffen keinen von uns an die Inspektoren; unser geteilter Kodex ermöglichte uns ein Auskommen. Und den richtig Glücklichen noch viel mehr.
Ich war keiner von Denen, die ihre rohe Körperkraft einsetzen mussten – dafür gab es immer geeignetere Leute – mein Gebiet war ein anderes. Denn jede uns verschlossene Tür musste zuerst überwunden werden, man musste an der richtigen Stelle den richtigen Hebel ansetzen; erst dann war das Schloss geöffnet, die Schätze in den Räumen dahinter freigebend. Wenn die Notwendigkeit bestand, dies still und heimlich im Dunkel der Nacht geschehen zu lassen, so waren meine Dienste gefragt. Ich war ein Meister darin, nur mit einem kleinen Stück rohen Metalls, einer Feile und einer feinen Nadel die inneren Regelwerke der Schlösser zu manipulieren. Etwas, das mich schon als Kind fasziniert hatte, und das ich in meinen Berliner Zeiten perfektioniert hatte.
Kein Schloss, keine Tür, kein Geldschrank konnte meinen Künsten widerstehen. In Minuten, wenn nicht sogar Sekunden, konnte ich Wege öffnen, die jedem Anderen verwehrt waren. Rückblickend erscheinen mir diese Jahre wie eine rasend schnelle Abfolge von sich mit einem metallischen Klicken, wie von Geisterhand öffnenden Schlössern, die Zwischenräume erfüllt mit den flackernden Lichtern eines ausschweifenden Lebens. Oh ja, ich war einer der Großen in dieser Stadt und genoss ein hohes Ansehen. Mich scherte nicht, dass dies nur in der Unterwelt so war. Lieber war ich ein König unter den Bettlern als den reichen Herren die Schuhe zu putzen.
So saß ich auf der Rückbank eines Autos, ein schwarzer Benz, die nächtlichen Lichter des Alexanderplatzes hatten wir gerade hinter uns gelassen. Er saß neben mir, still und regungslos. Die erleuchteten Fenster der Häuser ein Schachbrett, auf dem wir uns Schritt für Schritt vorwärts zu bewegen schienen. Er muss immer dann geblinzelt haben, wenn wir eine dunkle Kreuzung überquerten und ich ihn für einen kurzen Moment nicht sehen konnte, denn ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals während dieser Fahrt seine Augenlider senkte.
„Herr Dietrich. Der Schlüsselmacher. So nennt man Sie zumindest. Ich gehe davon aus, dass Sie nicht ohne Grund so genannt werden.“ Seine Augen blickten immer noch geradeaus. „Und ich gehe ebenfalls davon aus, dass Sie vertrauenswürdig sind.“ Ein fragender Unterton in seiner Stimme. Die Worte seltsam betont, fast schon in einem zu gleichmäßigen Takt. „Denn Sie müssen wissen, es handelt sich bei dieser Sache um eine Herzensangelegenheit.“ „Wenn Sie jemanden brauchen, der Ihrem kleinen Fräulein nachspioniert, dann sind Sie bei mir falsch,“ erwiderte ich. „Da gibt es fähigere Leute.“ Ich hätte es nicht beschwören können, aber seine Mundwinkel schienen die Andeutung eines Lächelns zu formen. „Nein, ich benötige explizit Ihre Dienste. Ich brauche einen Nachschlüssel, gewisse Personen bringen mir nicht mehr genug Vertrauen entgegen, um mir Zugang zum Original zu gewähren.“ Er beugte sich zu mir, war nun in meiner unmittelbaren Nähe, den Geruch von Lampenöl verströmend. „Und Sie, Herr Dietrich, wenn man den Stimmen der Straße glauben darf, können ohne das Original vorliegen zu haben, einen Nachschlüssel fertigen. Eine rare Gabe, wenn Sie mir die Bemerkung gestatten. Und die ich auch entsprechend zu honorieren in der Lage bin.“"
„Alles was ich brauche ist ungehinderter Zugang zu dem Schloss und mein Werkzeug,“ war meine Antwort. Wie hätte ich denn je vorausahnen können, was mich in dieser Nacht noch erwartete. Was er mir sagte klang nicht besonders ungewöhnlich; nicht unter diesen Umständen. Und in meinem Leben hatte ich gewiss schon komischere Gesellen getroffen. Das hier klang wie eines von diesen intriganten Ränkespielchen, ein Tricksen und Täuschen im Kampf um den eigenen Vorteil, wie ich sie nur zu gut kannte. Aber nichts hätte mich je auf die Wirklichkeit dessen vorbereiten können. Nicht auf das, was ich in jener Nacht noch sah, noch auf das, weswegen ich dies hier nun niederschreibe.
Denn letzten Monat, 40 Jahre nach dieser Nacht, habe ich ihn wieder gesehen. Er schien keine Sekunde gealtert.
Ein glücklicher Mensch, dem man das Alter nicht ansieht, werden Sie jetzt bestimmt denken. Aber Sie haben nicht gesehen, was ich gesehen habe. In der Nacht des zehnten Februars im Jahre des Herrn 1934. Statt an einem verschlossenen Wertschrank in den Innereien eines Bürogebäudes führte uns die Fahrt ins Hause meines Auftraggebers. Ein alter Bau, die Decken hoch und dunkel wie der Nachthimmel. Dort führte er mich in einen fensterlosen Raum, kahl und spartanisch eingerichtet. Den Mittelpunkt dieser Kammer bildete eine Liege, wie man sie auch bei Ärzten finden konnte, erhellt vom flackernden elektrischen Licht der Deckenlampe.
Da standen wir, die Stille um uns herum nur durch ein langsames Ticken – wie von einer Uhr – durchbrochen, das, wie ich jetzt bemerkte, uns schon die gesamte Zeit über begleitete. Ein Geräusch, so leise und stetig wie ein tropfender Wasserhahn, das ich aber keiner Quelle zuordnen konnte. „Verzeihen Sie mir, wenn Ihnen die Situation nicht näher zu erläutern vermag, aber Worte stoßen oft an die Grenzen des Verstandes, und mir bleibt wenig Zeit.“ Mit einer seltsam eckigen Bewegung legte er sich auf die Liege, seine Finger öffneten die Knöpfe seines Hemdes. „Machen Sie sich an die Arbeit.“ Mit diesen Worten entblößte er seinen Brustkorb, den ich nun im flackernden Licht sehen konnte.
Und dort sah ich – an der Stelle seines Herzens – ein Schloss aus mattem Kupfer, eingebettet in seinen Körper, die Übergänge zum grauen Fleisch nahtlos. Hinter dem Schlüsselloch vermochte ich ein goldglänzendes Zahnrad zu sehen, pfenniggroß, das sich im Takt des jetzt deutlich zu vernehmenden Tickens Schritt für Schritt weiter drehte. „An die Arbeit!“ dachte ich und es ist nicht gelogen, wenn ich behaupte, in dieser Nacht mein Meisterstück vollbracht zu haben.

Falsch abgebogen
Vertraut mir, ich kenne eine Abkürzung. Sag ich oft. Und dann endloses Warten auf etwas mit Bedeutung. Verloren in den Weiten der Welt, der Wüste des Realen, dankeschön alter Franzose. Ich dachte das Leben würde aufregend werden. Interstellare Raumschiffe, die vierte Dimension. Und was ist? Jede Menge durchgeknallte Vernetzung. Wenn das hier ein Science Fiction-Roman ist – der wäre bestimmt auf Droge geschrieben worden.
Ich meine, wer kommt denn auf solche Ideen? Mein erweitertes Netzwerk ist ein 5-Euro-Hub von Lidl. Der Rest bleibt mir bitte vom Leib.
Ein Gutes hat die Sache: da ich eh jeden über jeden kenne, muss ich einfach wahlos einen Arschtritt austeilen, irgendwann kommt er dann bei dem Richtigen an. Achtung Arschbombe, Herr Pfarrer.

Nähmaschine? Nee, Maschine!
Ich weiß nicht, warum ausgerechnet dieses Bild eine unangenehme Assoziation mit Kafkas In der Strafkolonie in mir weckt. Maybe i’m just weird, ich sollte meinem Hirn nicht mehr erlauben, Querverweise zu knüpfen. Komplexitätsreduktion hat ganz klare Vorteile, eine gesunde Distanz ist leider keiner davon. Mehr Coverbilder von Ron Turner gibts übrigens in diesem Flickr-Set. To the Stars!

[Via]
