Ich freue mich immer über eine einigermaßen gelungene Kritik eines interessanten Buches, egal in welchem Feuilleton. Nun muss ich zugeben, dass mein Spinnensinn mir sagt, dass das hier besprochene Buch zwar interessant sein könnte, die Kritik dazu aber leider nicht einigermaßen gelungen ist, sondern schon in den ersten zwei Absätzen durchblicken lässt, dass das was da in den Elfenbeintürmen passiere, eigentlich nicht mehr sei als mit Meinung beladenes Geschwafel – also Feuilleton – sei. Aber das soll hier nicht Thema sein, nur zwei Beobachtungen sollen noch erwähnt werden.
Erstens die Tatsache, in einem Satz von antibürgerlichen und antikapitalistischen Ressentiments zu schreiben, um im nächsten mit einem Hinweis anzuschließen, dass naheliegende historische Fragen links liegen bleiben würden. Das ist lustig, wenn auch vielleicht nicht beabsichtigt. Zweitens der wunderschöne Abschluss, in dem ökonomische Theorien Kontrolle und Gewissheit suggerieren, Soziologen dagegen einfach nur verwirren. Schöner kann man ein Ressentiment nun wirklich nicht formulieren: Nicht die Theorie, nein, Soziologien seien verwirrend.
Das hier ist übrigens ein Beispiel, das anschaulich zeigt, wie man einer Feuilletonisierung der Sozialwissenschaften im übrigen nicht entgegentreten sollte. Trotz dem Gerede von mit gleichen Waffen schlagen und man dürfe sich dem öffentlichen Diskurs nicht verschließen. Glaubt dem ja nicht, der öffentliche Diskurs ist eine Hure. Und ich glaube eher an die Unschuld einer Hure als an die Differenziertheit des öffentlichen Diskurses.
Wer das abgewandelte Zitat im letzten Satz erraten hat, darf mich duzen, der Rest googlen.